Wolf Lepenies, Dr. Dr. h.c. mult.
Rektor des Wissenschaftskollegs (1986–2001), Professor (em.) der Soziologie
Freie Universität Berlin
Geboren 1941 in Deuthen, heute Polen
Studium der Soziologie, Philosophie und Publizistik in München, Münster und Berlin
Arbeitsvorhaben
„Die Zwietracht beim Feind“ – Charles de Gaulles erstes Buch
Der französische Heeresbericht meldete am 7. März 1916 den Tod eines „wegen seiner intellektuellen Fähigkeiten und moralischen Verdienste“ hochgeachteten Kompanieführers vor Verdun. Die Rede war von Charles de Gaulle, den General Philippe Pétain posthum als „Chevalier de la Légion d’Honneur“ auszeichnete. Aber Charles de Gaulle war nicht tot. Er hatte im Kampf Mann gegen Mann nach einem Bajonettstich das Bewusstsein verloren und war in deutsche Gefangenschaft geraten. 32 Monate verbrachte de Gaulle in deutschen Lagern, fünf Mal versuchte er, vergeblich, zu fliehen. De Gaulle, der die deutsche Sprache beherrschte und Zeitungen sowie die Reichstagsprotokolle lesen durfte, nutzte die Gefangenschaft, um seinen Kameraden Vorträge über den Fortgang des Krieges und die Entwicklungen der deutschen Politik zu halten. Aus diesen Vorträgen ging sein erstes, 1924 publiziertes Buch hervor, La Discorde chez l’ennemi, in dem er in fünf Kapiteln, die Akten eines Dramas ähneln, die Gründe beschreibt, die zur Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg geführt hatten. Ich habe zu de Gaulles Buch einen ersten Essay geschrieben, in weiteren wird beispielsweise der Schriftsteller de Gaulle gewürdigt werden, der sich in einer dramatischen Autorenkonkurrenz gegen seinen frühen Mentor Pétain behaupten musste. Diese Essays sollen der Auftakt für eine größere Studie über Charles de Gaulles erstes Buch sein, ich versuche einen Verlag für eine deutsche Übersetzung zu finden.In seinen Memoiren schrieb de Gaulle später, ihn habe zeitlebens „une certaine idée de la France“ geleitet. La Discorde chez l’ennemi lässt früh ahnen, dass seine politische Laufbahn auch von einer „certaine idée de l’Allemagne“ geprägt sein würde. De Gaulle wollte vom Feind alles wissen – und nutzte dieses Wissen später mutig, damit aus Feindschaft Verständnis, Zusammenarbeit und schließlich Freundschaft wurde.
Lektüreempfehlung
Lepenies, Wolf. Die Macht am Mittelmeer: Französische Träume von einem anderen Europa. Hanser, 2016. Französisch: Le Pouvoir en Méditerranée: Un rêve français pour une autre Europe. Übersetzt von Svetlana Tamitegama. Éditions de la Maison des sciences de l’homme, 2020.
–. „Germany and France—The Elusiveness of a Joint Hegemony.“ In Discussing Pax Germanica: The Rise and Limits of German Hegemony in European Integration, herausgegeben von Emmanuel Comte und Fernando Guirao. Routledge, 2025.
–. „Die Zwietracht beim Feind.“ In Feindbestimmung, herausgegeben von Michael Jeismann, Jakob Schultz und Eva Maria Ziege. Leviathan Sonderband, im Erscheinen.
Köpfe und Ideen 2014
Vernünftige Bürgerlichkeit. Wolf Lepenies, Europa und das Mittelmeer
ein Porträt von Wolf Lepenies von Gunter Hofmann
Publikationen aus der Fellowbibliothek
Lepenies, Wolf (Berlin, 2022)
Polen und Ukraine : Verflochtene Geschichte, geteilte Erinnerung in Europa Essays of the Forum Transregionale Studien ; 2022, 9
Lepenies, Wolf (München, 2016)
Die Macht am Mittelmeer : französische Träume von einem anderen Europa
Lepenies, Wolf (2014)
Von der notwendigen Untreue der Übersetzungen : Laudatio auf Eva Moldenhauer und Bernard Lortholary
Lepenies, Wolf (Berlin, 2013)
Royaldemokratie und Gründercharisma : Peter Wapnewski und das Wissenschaftskolleg
Lepenies, Wolf (Berlin, 2012)
Exile and binationalism Carl Heinrich Becker lecture der Fritz Thyssen Stiftung ; 2011 = [5]
Lepenies, Wolf (2010)
Einleitung zur ersten Carl Heinrich Becker Lecture der Fritz Thyssen Stiftung
Lepenies, Wolf (2010)
Lepenies, Wolf (München, 2010)
Auguste Comte : die Macht der Zeichen Edition Akzente
Lepenies, Wolf (Berlin, 2010)
Lepenies, Wolf (Berlin, 2009)
Wissenschaftskolleg zu Berlin - Institute for Advanced Study : Verleihung des Anna Krüger Preises an Martin von Koppenfels am 18. Februar 2009 Verleihung des Anna Krüger Preises an Martin von Koppenfels am 18. Februar 2009
Im Kolleg entstanden 22.02.16
Veranstaltungen
Benjamin Appl | Wolf Lepenies | Stefan Litwin | Andreas Mayer
László Földényi | Ina Hartwig | Wolf Lepenies | Lothar Müller
Wolf Lepenies