Neuer Fellowjahrgang am Wissenschaftskolleg

Die neuen Fellows des Wissenschaftskollegs zu Berlin sind mit Beginn des akademischen Jahres Mitte September eingetroffen. Im Rahmen des Berliner Empfangs werden sie am 16. Oktober 2017 offiziell willkommen geheißen. Die Autorin und Publizistin Carolin Emcke wird Fellows und Gäste begrüßen, und Luca Giuliani, der Rektor des Kollegs, wird den Fellowjahrgang vorstellen.

Die 42 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind zum Teil mit ihren Familien nach Berlin gekommen und bleiben – in der Regel – während des gesamten akademischen Jahres (16. September 2017 bis 15. Juli 2018) am Kolleg, um ihre selbstgewählten Arbeitsvorhaben zu verfolgen. Das Kolleg bestimmt keine übergeordnete Forschungsfrage, sondern bietet vielmehr die Chance, in der Begegnung mit der oder dem fachfremden Anderen das eigene intellektuelle Projekt zu testen, zu schärfen, zu diskutieren und zu modifizieren.

In diesem Jahr treffen Vertreterinnen und Vertreter aus 25 Disziplinen der Geistes-, Natur-, und Sozialwissenschaften aus 19 verschiedenen Ländern aufeinander. Die weiblichen Fellows machen rund 40% des Jahrgangs aus.

Hier einige Beispiele der mitgebrachten Forschungsvorhaben: Die Juristin Pascale Cancik (Osnabrück) schreibt an einer Geschichte der Bürokratiekritik. Carlo Strenger, Psycholanalytiker und Philosoph aus Tel Aviv, möchte seine Untersuchungen zum Liberalismus vertiefen und die politischen Möglichkeiten der liberal education, der Erziehung zur Freiheit, ausloten. Das Thema des Biologen Kevin Gaston (Exeter) ist die Ökologie der Nacht, die von der tagaktiven Spezies Mensch bisher allzu unterschätzt blieb. Lisa Herzog, Professorin für Politische Philosophie in München, untersucht das Ineinandergreifen von Wissensökonomie und Moral unter den Bedingungen zunehmend globalisierter und digitalisierter Lebenswelten. Und der kanadische Historiker Kris Manjapra beschäftigt sich während seines Fellowjahrs mit der weltweiten Ausbreitung des ursprünglich karibischen Modells der Plantagen, das im Laufe seiner Verbreitung im 19. und frühen 20. Jahrhundert zur wirtschaftlichen Basis des globalen Kapitalismus wurde. Der polnische Historiker Paweł Machcewicz widmet sich in vergleichender Perspektive den Strategien nachdiktatorischer Gesellschaften des 20. Jahrhunderts, Rechtsregime zu etablieren, welche die Verbrechen der Vergangenheit adressieren. Als Gründungsdirektor des Danziger Museums des Zweiten Weltkriegs kann er zudem vom aktuellen Umgang Polens mit seiner Vergangenheit berichten.

Die Schwerpunktgruppe zum Thema Familiengeschichte und sozialer Wandel in Westafrika bringt die in Mainz lehrende Sozialanthropologin Carola Lentz mit zwei Kollegen, Isidore Lobnibe, Professor für Anthropologie an der Western Oregon University, und Stanislas Meda Bemile, Filmemacher und Medienwissenschaftler aus Burkina Faso, zusammen. Sie wollen dokumentieren und analysieren, wie sich im Prozess der Modernisierung und Globalisierung die traditionellen Beziehungsstrukturen einer afrikanischen Großfamilie verändern.

Mit der türkischen Verfassungsrechtlerin Zeynep Kivilcim und dem syrischen Schriftsteller Yassin al-Haj Saleh sind zwei Intellektuelle unter den Fellows, für die die Durchdringung von Wissenschaft und Politik persönlich spürbar ist. Beiden ist die Rückkehr in ihre Heimat aus politischen Gründen verwehrt, zugleich widmen sich beide in ihren Projekten den Auswirkungen jener Prozesse, die Ursache für ihr Exil sind.

Drei Künstler gehören auch in diesem Jahr der Fellowgruppe an. Der pakistanische Schriftsteller Mohammed Hanif hat ein Romanprojekt mitgebracht, der Pianist Andreas Staier aus Zürich möchte sich in das Spätwerk Johann Sebastian Bachs vertiefen sowie Klavierwerke Beethovens einstudieren. Und der diesjährige composer in residence Vladimir Tarnopolski aus Moskau arbeitet an einer Oper über den Raub der Europa.

Kontakt:
Katharina Wiedemann 
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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Berlin, im Oktober 2017