Hauptgebäude oder Villa Linde


Seit 1980/81 dient die Villa dem Wissenschaftskolleg als Hauptgebäude mit dem Rektorat und der Verwaltung, einem großen Konferenz- und Vortragsraum, dem Clubraum, dem Restaurant sowie Ein-Zimmer-Appartements für Fellows und Gäste im Dachgeschoss.

Im Jahre 1893 erwarb der Regierungsbaumeister Karl Franke das Grundstück vom Forstfiskus der Königlichen Regierung zu Potsdam. 1910 ging das noch unbebaute Grundstück in den Besitz von Erna Linde, geb. Tietz, Ehefrau des Vizepräsidenten des Amts- und Landgerichts Berlin-Moabit Dr. Franz Linde über. Im selben Jahr wurde der Regierungsbaumeister Ludwig Otte mit der Errichtung einer Villa beauftragt. Das Ehepaar Linde bewohnte diese Villa zusammen mit den Töchtern Irmgard, Herta und Ruth bis zum Jahr 1922. Über dem Haupteingang finden sich noch heute die in Stuck gesetzten Initialen von Franz und Erna Linde: „ELF“.

Villa und Gartenanlage wechselten nach 1922 mehrfach den Besitzer. Zunächst wurde der Kaufmann Carl Richter aus Danzig Eigentümer, dann von 1925 an der Kaufmann Karl Büchting. Dieser plante im Jahre 1935, die Villa abzureißen und an ihrer Stelle drei Mietshäuser auf dem Grundstück zu errichten. Das Baugesuch wurde jedoch abgelehnt. Daraufhin verkaufte Büchting im März 1936 das Anwesen an den Reichsluftschutzbund Landesgruppe Groß-Berlin e.V. Dieser baute die Villa gründlich um und nutzte sie als seine Berliner Geschäftsstelle. Vor dem Haus wurde, wie aus den Akten hervorgeht, ein Aushangkasten „für amtliche Mitteilungen der NSDAP und des RLB“ angebracht.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Villa von der Britischen Militärregierung requiriert und als Offiziersclub mit Messe und Wohnheim genutzt. Mit Zustimmung der Besatzungsmacht übertrug man 1955 Grundstück und Villa dem Bundesluftschutzverband e. V. zu Köln (der Nachfolgeorganisation des RLB). Dieser vermietete seinerseits das Gebäude weiter an die Britische Militärregierung, die es bis in die Mitte der siebziger Jahre als Offizierskasino nutzte. Im Garten wurde 1959 eine Garage mit sechs Einstellplätzen gebaut.
1978 ging die Villa in das Eigentum des Berliner Senats über, unter der Bedingung, dass sie renoviert und für nichtkommerzielle Zwecke genutzt würde. 1980/81 gewährte der Senator für Wissenschaft, Forschung und Kultur dem im selben Jahr gegründeten Wissenschaftskolleg zu Berlin sowie, bis 1982, den Dahlem-Konferenzen e. V. ein unentgeltliches Nutzungsrecht der Villa, die dafür gründlich renoviert und teilweise umgebaut wurde. Für den Innenausbau zeichnete die Berliner Architektin Dorothea Haupt verantwortlich.

Reinhart Meyer-Kalkus
 

Exkurs: Der Garten