Satzung des Wissenschaftskollegs zu Berlin e. V.

§ 1
Zweck des Vereins

(1) Das Wissenschaftskolleg zu Berlin (im folgenden "Kolleg" genannt) dient der Wissenschaft, indem es anerkannten Gelehrten die Ausführung selbstgewählter Forschungsarbeiten in Berlin ermöglicht. Es fördert die Zusammenarbeit zwischen den Forschern, insbesondere auch zwischen Forschern aus verschiedenen Ländern und Disziplinen, sowie zwischen ihnen und anderen Persönlichkeiten des geistigen Lebens. Es widmet besondere Aufmerksamkeit der Förderung jüngerer Forscher.

(2) Das Kolleg pflegt die Beziehungen zu den ehemaligen wissenschaftlichen Mitgliedern (Fellows) und fördert zeitlich befristet Projekte, insbesondere wenn sie mit ehemaligen Fellows in Verbindung stehen oder der Gewinnung zukünftiger wissenschaftlicher Mitglieder dienen.

§ 2
Name, Sitz, Gemeinnützigkeit, Geschäftsjahr

(1) Der Verein führt den Namen "Wissenschaftskolleg zu Berlin - Institute for Advanced Study Berlin" und hat seinen Sitz in Berlin. Er wird in das Vereinsregister eingetragen.

(2) Der Verein ist selbstlos tätig; er verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke. Es darf keine Person durch Ausgaben, die dem Zweck der Körperschaft fremd sind, oder durch unverhältnismäßig hohe Vergütungen begünstigt werden. Die Mittel dürfen nur für die satzungsmäßigen Zwecke verwendet werden. Die Mitglieder erhalten keine Gewinnanteile und keine sonstigen Zuwendungen aus Mitteln des Vereins. Ausscheidende Mitglieder haben keinen Anspruch an das Vereinsvermögen. Bei Auflösung des Vereins oder bei Wegfall steuerbegünstigter Zwecke fällt sein Vermögen an die Wissenschaftsstiftung Ernst Reuter Berlin (im folgenden als "Stiftung" bezeichnet), die es unmittelbar und ausschließlich für steuerbegünstigte Zwecke zu verwenden hat.

(3) Geschäftsjahr ist das Kalenderjahr.

§ 3
Mitglieder

(1) Ordentliche Mitglieder des Vereins sind die Präsidenten bzw. Vorsitzenden

  • der Alexander-von-Humboldt-Stiftung in Bonn-Bad Godesberg,
  • des Deutschen Akademischen Austauschdienstes e. V. in Bonn-Bad Godesberg,
  • der Deutschen Forschungsgemeinschaft e. V. in Bonn-Bad Godesberg,
  • der Freien Universität Berlin,
  • der Humboldt-Universität zu Berlin,
  • der Hochschulrektorenkonferenz,
  • der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V. in Berlin und München,
  • der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin,
  • der Technischen Universität Berlin,
  • des Wissenschaftsrates.

Weitere ordentliche Mitglieder können durch Beschluss der Mitgliederversammlung aufgenommen werden.

(2) Die ordentlichen Mitglieder entrichten keine Beiträge.

(3) Der Austritt aus dem Verein ist durch schriftliche Erklärung gegenüber dem Vorstand mit einer Frist von sechs Monaten zum Ende eines Kalenderjahres möglich.

(4) Auf Vorschlag des Vorstandes können durch Beschluss der Mitgliederversammlung als fördernde Mitglieder rechtsfähige natürliche oder juristische Personen aufgenommen werden, die sich verpflichten, dem Verein einmalig oder regelmäßig erhebliche Zuwendungen zu machen oder ihn auf sonstige Weise zu unterstützen. Fördernde Mitglieder haben in der Mitgliederversammlung beratende Stimme.

§ 4
Organe des Vereins
Organe des Vereins sind die Mitgliederversammlung, der Vorstand und der Wissenschaftliche Beirat.

§ 5
Mitgliederversammlung

(1) Die Mitgliederversammlung bestimmt die Richtlinien für die Arbeit des Kollegs. Sie stellt den jährlichen Haushaltsplan fest. Sie nimmt den Jahresbericht des Vorstands und die Jahresrechnung entgegen und entlastet den Vorstand. Sie bestellt einen Rechnungsprüfer, der die Jahresrechnung prüft.

(2) Die Mitgliederversammlung wählt nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen den Vorstand, den wissenschaftlichen Beirat und die längerfristigen wissenschaftlichen Mitglieder (§ 9) des Kollegs.

(3) Die ordentliche Mitgliederversammlung wird jährlich vom Vorstand einberufen. Die Einladung mit der Tagesordnung soll den Mitgliedern spätestens vier Wochen vor der Versammlung zugegangen sein.

(4) Der Vorstand kann außerordentliche Mitgliederversammlungen einberufen; Abs. 3 Satz 2 gilt entsprechend. Er muss sie einberufen, wenn drei Mitglieder dies verlangen.

(5) Die Mitgliederversammlung wählt für jede Versammlung einen Vorsitzenden und einen Schriftführer, der die Verhandlungsniederschrift führt.

(6) Die Mitgliederversammlung ist beschlussfähig, wenn mindestens ein Drittel der Mitglieder persönlich anwesend ist und mindestens zwei Drittel der Stimmen vertreten sind. Beschlüsse sollen einstimmig, sie müssen mit der Mehrheit der Stimmen der Mitglieder gefasst werden. Dies gilt entsprechend für Wahlen. Beschlüsse können im schriftlichen Verfahren herbeigeführt werden, wenn kein Mitglied dem unverzüglich widerspricht.

(7) Ordentliche Mitglieder, die an der Teilnahme an einer Mitgliederversammlung verhindert sind, können ihre Stimme auf ein anderes ordentliches Mitglied übertragen. Kein Mitglied darf mehr als drei Stimmen führen.

(8) Zu den Sitzungen der Mitgliederversammlung werden die Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats und des Stiftungsrats der Stiftung (§ 2 Abs. 2) eingeladen. Sie haben beratende Stimme.

§ 6
Vorstand

(1) Vorstand des Vereins ist der Leiter des Kollegs (Rektor). In Zusammenarbeit mit dem Sekretär (§ 11) führt er die laufenden Geschäfte und stellt den jährlichen Haushaltsplan auf.

(2) Ist der Vorstand an der Ausübung seines Amtes verhindert, so wird er in wissenschaftlichen Angelegenheiten durch das an Lebensjahren älteste ständige wissenschaftliche Mitglied des Kollegs (§ 9), in Wirtschaftsangelegenheiten durch den Sekretär vertreten, sofern nicht er selbst oder die Mitgliederversammlung eine andere Regelung trifft.

(3) Der Vorstand wird von der Mitgliederversammlung im Einvernehmen mit dem Stiftungsrat der Stiftung (§ 2 Abs. 2) für fünf Jahre gewählt. Eine Abwahl kann nur aus wichtigem Grund erfolgen. Wiederwahl ist möglich. Wird er nicht aus dem Kreis der ständigen wissenschaftlichen Mitglieder des Kollegs gewählt, so wird er mit seiner Wahl zum ständigen wissenschaftlichen Mitglied berufen; diese Berufung ist nicht an die Dauer seiner Amtszeit als Vorstand gebunden. Hat die erforderliche Neuwahl des Vorstandes nicht rechtzeitig stattgefunden oder tritt die gewählte Person ihr Amt erst später an, so bleibt der bisherige Vorstand entsprechend länger im Amt.

(4) Der Vorstand berät regelmäßig mit den anderen ständigen wissenschaftlichen Mitgliedern des Kollegs über die wissenschaftliche Arbeit des Kollegs, über die Berufung wissenschaftlicher Mitglieder und die Einladung von Gästen. Er soll um einvernehmliche Meinungsbildung bemüht sein.

§ 7
Wissenschaftlicher Beirat

(1) Der Wissenschaftliche Beirat berät den Vorstand in allen wissenschaftlichen Angelegenheiten des Kollegs. Insbesondere hört der Vorstand ihn zu allen Vorschlägen zur Berufung wissenschaftlicher Mitglieder.

(2) Dem Wissenschaftlichen Beirat gehören an
a) mindestens sechs, höchstens achtzehn deutsche und ausländische Wissenschaftler, die von der Mitgliederversammlung für drei Jahre gewählt werden; ihre Zahl soll durch drei teilbar sein; eine unmittelbare Wiederwahl ist möglich;
b) drei vom Stiftungsrat der Stiftung (§ 2 Abs. 2) aus seiner Mitte entsandte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, deren Amtszeit vom Stiftungsrat bestimmt wird.
Der Vorsitzende des Stiftungsrates der Stiftung wird zu den Sitzungen eingeladen. Er hat beratende Stimme.

(3) Die Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats werden auf Vorschlag des Rektors von der Mitgliederversammlung gewählt.

(4) Abweichend von Abs. 2 a) werden die ersten Mitglieder zu je einem Drittel für zwei, drei und vier Jahre bestimmt, sodass nach Ablauf von zwei Jahren und in der Folgezeit in jedem Jahr die Amtszeit eines Drittels der Mitglieder endet.

(5) Wissenschaftliche Mitglieder des Kollegs können dem Wissenschaftlichen Beirat nicht angehören. Scheidet ein Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats vor Ablauf seiner Amtszeit aus, so wird sein Nachfolger für den Rest der Amtszeit bestellt.

(6) Der Wissenschaftliche Beirat wählt aus seiner Mitte einen Vorsitzenden.

(7) Sitzungen des Wissenschaftlichen Beirats werden vom Vorstand einberufen; § 5 Abs. 3 Satz 2 gilt entsprechend. Die ständigen wissenschaftlichen Mitglieder (§ 9) des Kollegs und der Sekretär können an den Sitzungen teilnehmen, soweit der Wissenschaftliche Beirat nichts anderes beschließt; sie haben beratende Stimme. Über die Sitzungen werden Niederschriften gefertigt. Für Beschlüsse im schriftlichen Verfahren gilt § 5 Abs. 6 Satz 4 entsprechend.

(8) Die Tätigkeit im Wissenschaftlichen Beirat ist ehrenamtlich.

§ 8
Wissenschaftliche Mitglieder

(1) An das Kolleg können nach Maßgabe der verfügbaren Plätze anerkannte Forscher, im Einzelfall auch andere Persönlichkeiten des geistigen Lebens, als wissenschaftliche Mitglieder berufen werden. Sie sind nicht Mitglieder des Vereins im Sinne des § 3.

(2) Wissenschaftliche Mitglieder werden durch den Vorstand und in der Regel für die Dauer eines Jahres berufen, soweit in § 9 nichts anderes bestimmt ist. Eine unmittelbare Wiederberufung ist möglich, eine zweite jedoch nur, wenn der Wissenschaftliche Beirat ihr in geheimer Abstimmung mit Zweidrittelmehrheit zustimmt.

(3) Bei den Berufungen wird dem internationalen Charakter der Wissenschaft Rechnung getragen. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen älteren und jüngeren Wissenschaftlern wird angestrebt.

(4) Beabsichtigte Berufungen berät der Vorstand mit den ständigen wissenschaftlichen Mitgliedern. Der Wissenschaftliche Beirat nimmt dazu Stellung.

(5) Die wissenschaftlichen Mitglieder sind in ihrer Tätigkeit am Kolleg von Weisungen frei.

(6) Die wissenschaftlichen Mitglieder wohnen und arbeiten in Berlin. Das Kolleg stellt ihnen nach Maßgabe der verfügbaren Mittel Arbeitsmöglichkeiten sowie Mittel für Forschungsreisen und für Hilfspersonal zur Verfügung. Ihnen kann aus Mitteln des Kollegs ein Gehalt (Stipendium) und/oder ein Ausgleich für die Kosten gezahlt werden, die ihnen durch ihren Aufenthalt in Berlin entstehen. Vereinbarungen hierüber werden mit dem Vorstand abgeschlossen. Sie bedürfen der Schriftform.

§ 9
Längerfristige wissenschaftliche Mitglieder

(1) Wissenschaftliche Mitglieder können auf Vorschlag des Vorstands, zu dem der Wissenschaftliche Beirat und der Stiftungsrat der Stiftung (§ 2 Abs. 2) Stellung genommen haben, von der Mitgliederversammlung längerfristig berufen werden.

(2) Befristete längerfristige Berufungen (Long Term Fellows) werden für drei bis fünf Jahre vereinbart. Long Term Fellows haben vor allem die Aufgabe, ihren selbstgewählten Forschungsarbeiten in Berlin nachzugehen und dabei die Aufgaben des Wissenschaftskollegs zu befördern. Für die Vereinbarung der materiellen Bedingungen gilt § 8 entsprechend.

(3) Auswärtige längerfristige Wissenschaftliche Mitglieder (non-residential Permanent Fellows) sind von der Residenzpflicht in Berlin befreit und haben vor allem die Aufgabe, an der wissenschaftlichen Arbeit des Kollegs mitzuwirken (§ 6 Abs. 4). Sie werden befristet, in der Regel auf fünf Jahre berufen. Mit ihnen wird in einer Honorarvereinbarung festgelegt, welche Vergütung sie für diese Mitwirkung erhalten und in welchem Umfang sie am Wissenschaftskolleg ihren eigenen Forschungsarbeiten nachgehen.

(4) Wissenschaftliche Mitglieder können im Einzelfall auf unbestimmte Zeit berufen werden (Permanent Fellows). Die Permanent Fellows haben die Aufgabe, ihren selbstgewählten Forschungsarbeiten in Berlin nachzugehen und an der wissenschaftlichen Arbeit des Kollegs mitzuwirken (§ 6 Abs. 4).

§ 10
Gäste
Für kurzfristige Aufenthalte bis zu sechs Monaten kann der Vorstand Gäste an das Kolleg einladen. Für sie gelten die Absätze 3, 5 und 6 des § 8 entsprechend.

§ 11
Sekretär

(1) Der Sekretär wird auf Vorschlag des Vorstandes von der Mitgliederversammlung hauptamtlich bestellt. Er muss eine wissenschaftliche Ausbildung abgeschlossen haben.

(2) Nach den Richtlinien des Vorstandes führt der Sekretär die Verwaltungsgeschäfte des Kollegs in eigener Zuständigkeit. Er bereitet die Sitzungen der Organe und Gremien des Kollegs vor und führt ihre Beschlüsse aus.

§ 12
Schlussbestimmungen

(1) Diese Satzung tritt am 11. Juni 1980 in Kraft.
Soweit einzelne Bestimmungen die Zustimmung oder Beteiligung des Stiftungsrates der Stiftung (§ 2 Abs. 2) für Beschlüsse oder Gremien vorsehen, treten sie insoweit am Tage nach der Errichtung der Stiftung in Kraft.

(2) Änderungen der Satzung können von der Mitgliederversammlung nur einstimmig beschlossen werden. Sie bedürfen der Zustimmung des Stiftungsrates der Stiftung.

(3) Für die Auflösung des Vereins gilt Abs. 2 entsprechend.