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Köpfe und Ideen 2026

Ausgabe 21 / März 2026

Rest und Ressource – Londons Müll im 18. Jahrhundert

von Manuela Lenzen

Die Historikerin Franziska Neumann erforscht am Beispiel Londons, wie man in Städten der Frühen Neuzeit mit Müll umgegangen ist


Zu den Bildern: Die Miniaturen-Werkbank ist Franziska Neumanns zweiter Arbeitsplatz. Hier nimmt sie auf künstlerische Weise Städte von heute unter die Lupe. 


Bei Niedrigwasser gibt die Themse bei der Millennium Bridge in London einen Streifen Flussbett frei. Man kann dann hinabsteigen und dort entlanggehen, wo sonst das Wasser fließt. Die Braunschweiger Historikerin Franziska Neumann tut dies gerne. Statt auf die Sehenswürdigkeiten der Stadt, auf die man von hier nochmal einen ganz anderen Blick hat, schaut sie allerdings beim Gehen vor allem auf den Boden vor ihren Füßen. „Hier läuft man über die Überreste der letzten Jahrhunderte, die die Themse konserviert hat, Bauschutt, Ziegelreste, aber auch ganz viele Scherben“, erläutert die Forscherin. An einem der kürzesten Tage des Jahres sitzt sie im Erkerzimmer des Wissenschaftskollegs, das die tief stehende Sonne schon am Nachmittag in warmes, rotes Licht taucht. Und berichtet begeistert von den Überraschungen und Einsichten, die ihr Forschungsgegenstand immer wieder für sie bereithält. Franziska Neumann forscht über den Umgang mit Müll und möchte während ihrer Zeit am Wissenschaftskolleg ein Buch über Abfallregime in London im 18. Jahrhundert schreiben. Am Anfang des Projekts interessierte sich die Historikerin vor allem für Latrinen: Wie gingen Menschen in der Frühen Neuzeit eigentlich auf die Toilette und was passierte danach mit dem Inhalt der Latrine? Doch schnell erweiterte sie das Thema auf den Umgang mit Abfällen aller Art.

Nach der Promotion an der Technischen Universität Dresden wechselte Neumann an die Universität Rostock. Eine Fellowship führte die Forscherin dann nach London. „London war im 18. Jahrhundert mit etwa 650 000 Einwohnern die größte Stadt Europas, eine global vernetzte Handelsmetropole. Wenn man das Thema Abfall irgendwo angehen kann, dann in einer so großen Stadt“, so Neumann. Ihre Überlegungen erwiesen sich als richtig. Neben den Überresten, die Ausgrabungen ans Licht befördert haben – „Archäologie ist die Abfallwissenschaft!“ –, fand sie in den Museen der Stadt Bilder, auf denen auch der Müll auf Straßen und Marktplätzen zu sehen ist, in den Archiven zudem viel administratives Schriftgut. Sie entdeckte ganze Diskurse rund um den Müll, seinen Nutzen und auch seine Gefahren. „Wenn man erst einmal sucht, findet man das Thema überall“, ist ihre Erfahrung. 

Auch an der Themse. Als Neumann das erste Mal über die Ränder des Flussbetts ging, wunderte sie sich über die fingergroßen, weißen Röhrchen, die überall zwischen dem historischen Bauschutt steckten. Ihre Mitbewohnerin, eine Kunsthistorikerin, konnte das Rätsel lösen: Es handelt sich um die Überreste von tönernen Tabakspfeifen. „Diese Röhrchen sind die Zigarettenkippen der Frühen Neuzeit“, erklärt Neumann. „Mitte des 18. Jahrhunderts war das Rauchen groß in Mode. Diese Pfeifen wurden in Massen hergestellt, sie waren nicht auf lange Haltbarkeit ausgelegt. Man konnte sie gestopft kaufen, hat sie geraucht und dann weggeworfen.“ In Wirtshäusern auf den Boden, unterwegs unter anderem in die Themse. 

Kästchen mit Resten von historischen Tabakspfeifen

Neumann war verwundert: „Solche Wegwerfprodukte, das passte so gar nicht zu meinen Vorstellungen vom Umgang mit Abfall in der Frühen Neuzeit.“ In den Archiven fand sie eine frühneuzeitliche Diskussion dokumentiert, die sie ebenfalls eher an die Gegenwart erinnerte. Es ging um sweepings, unverkäufliche Waren. „Gewohnheitsrechtlich durften etwa die Hafenarbeiter Tee oder Zucker, der beim Verladen schmutzig oder nass geworden war, mitnehmen“, erklärt die Forscherin. „Mitte des 18. Jahrhunderts nun kommt das Problem auf, dass immer mehr solcher Reste anfallen, die dann in einer Art Schattenökonomie weiterverkauft werden. Da fingen die Händler an, diese Reste systematisch zu vernichten. Das erinnerte mich natürlich sofort an die heutige Diskussion um das Containern – die Mitnahme von weggeworfenen Lebensmitteln aus Abfalltonnen. Das fand ich spektakulär, es gab im 18. Jahrhundert die gleiche Debatte!“ 

Schnell war ihr klar: Bei diesem Forschungsprojekt würde es nicht nur um Müll und den Umgang damit gehen, sondern auch darum, unsere oft idealisierten Bilder von der Vergangenheit zu hinterfragen. „Wir haben die Vorstellung, früher war alles besser, da gab es keine Wegwerfgesellschaft und alles wurde recycelt. Irgendwann sind wir dann falsch abgebogen und müssen nun wieder zurück zu diesem früheren Zustand. Aber der Blick in die Vergangenheit zeigt: Es ist komplizierter.“ Die Geschichte, die Neumann schreibt, wird deshalb die Ambivalenz von Abfall in den Mittelpunkt rücken: als Rest und Ressource. 

„Wo immer Menschen zusammenleben, fällt auch Müll an“, stellt Neumann klar: Asche aus dem Herdfeuer, Küchen- und Schlachtabfälle, Fäkalien und auch Gegenstände, die zu Bruch gegangen sind und die man nicht mehr gebrauchen kann oder will. Insbesondere in Städten fällt viel Müll auf engem Raum an. Und der soll natürlich nicht herumliegen, stinken und den Verkehr behindern, das gilt heute und das galt auch in der Frühen Neuzeit. In London gab es bereits seit der Mitte des 17. Jahrhunderts eine wöchentliche Müllabfuhr für die Haushaltsabfälle.

Zweimal in der Woche kam der dustman, berichtet Neumann. Er läutete mit seiner Glocke und die Dienstmädchen brachten dann Kisten oder Körbe mit Asche vors Haus. Dustmen waren Lohnarbeiter und für einen raker tätig, eine Art Müllunternehmer. Diese bewarben sich bei der Stadt um Konzessionen, um die häuslichen Abfälle abzuholen. Für diese Müllabfuhr zahlten die Londoner eine Steuer. Und sie forderten die bezahlte Leistung auch ein: Versäumten etwa die dustmen ihre Runden, hagelte es Beschwerden, die Neumann heute in den Archiven findet. „Das haben die Leute genau aufgeschrieben: ‚Seit drei Wochen keine Asche abgeholt!‘“ 

Zudem gab es zahlreiche „Recyclingspezialisten“, die bestimmte Abfallstoffe sammelten und verwerteten. Lumpensammlerinnen und -sammler kauften oder sammelten Stoffreste, die für die Papierproduktion gebraucht wurden. Für den Inhalt der Latrinen wiederum, in denen häufig auch der „Restmüll“ landete, waren die nightmen zuständig; sie kamen, wie der Name schon sagt, bei Nacht, um die Geruchsbelästigung bei Tag zu vermeiden. „Da kletterte dann einer in die Grube hinein und schaufelte alles raus, das war eine scheußliche Arbeit und gefährlich wegen der Gase“, erzählt Neumann. Zusätzlich zur Müllabfuhr und den Sammlern gab es zahlreiche Secondhand-Märkte, auf denen man gebrauchte Gegenstände verkaufen konnte.

Was die einen loswerden wollten, war für die anderen eine wertvolle Ressource. Die Asche wurde auf Deponien gesammelt und von dort an Ziegeleien verkauft, wo sie dem Lehm beigemischt wurde, denn die Stadt wuchs und wuchs und man brauchte Ziegel. Tatsächlich war Asche so gesucht, dass als dustmen verkleidete Aschediebe, die sogenannten flying dustmen, diese illegal einsammelten. „Hier wird deutlich, dass gewisse Abfallstoffe wie Asche so lukrativ waren, dass verschiedene Akteure darum konkurrierten“, so Neumann. „Es wurde auch diskutiert, ob man nicht vielleicht Fäkalien als Düngemittel verwenden könne. Ob das tatsächlich gemacht wurde, lässt sich aber kaum rekonstruieren.“

Wegen solcher Praktiken wird die Frühe Neuzeit immer wieder als Vorbild in Sachen Recycling beschrieben. Doch das geht Neumann zu weit: „Das reduziert ein komplexes Thema auf eine moderne Perspektive.“ Sie fragt lieber nach den Werten, Normen und Wissensordnungen, die den Umgang mit dem Müll als Rest und Ressource prägten – und nach den Menschen, die die Arbeit machten.

„Natürlich wurde viel recycelt“, bestätigt die Forscherin, „aber das war möglich, weil viele Menschen für einen Hungerlohn und unter elenden Bedingungen Abfallstoffe sortierten und aufarbeiteten. Und das waren meist nicht die Menschen, die vom Recycling profitierten. Eine Geschichte des Recycling in der Frühen Neuzeit ist auch eine Geschichte sozialer Ungleichheit und Armut, und damit kaum ein Vorbild für die Gegenwart.“ 

Das gilt auch für London. Aber nicht nur. „Es gab auch raker oder nightmen‚ die es mit Abfall zu bescheidenem Wohlstand bringen konnten. Man würde denken, dass diese Menschen zur Unterschicht gehörten, aber sie waren eher Mittelschicht, nicht reich, aber mit einem gewissen Besitz, das waren keine verfemten Personen. Sie machten auch offensiv Werbung für ihre Dienstleistung“, so Neumann. Recycelt wurde also nicht, weil die Menschen nett zur Umwelt sein wollten, sondern weil die Abfälle gefragt waren und man damit seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte. 

Die Wertvorstellungen, die den Konsum und den Umgang mit Resten und Ressourcen in der Frühen Neuzeit bestimmten, waren geprägt von einer christlichen Ethik der Sparsamkeit und der Mäßigung. „Man sollte sparsam sein und nichts verschwenden, aber man sollte auch dem eigenen Status und Stand entsprechen“, erklärt Neumann. „Das Ausbessern von Textilien galt als gut, das haben viele Frauen gelernt, aber es gab eine Grenze zwischen Ausbessern und In-Lumpen-Gehen. Diese Grenze musste man kennen.“ In dieser Wertorientierung sieht Neumann einen interessanteren Bezug zur Gegenwart als im Recycling: „Heute fragt man sich: Was ist die eigene Verantwortung in der Konsumgesellschaft? Was kauft man und wie viel? Und damals wie heute ist es keine Frage von alles oder nichts, Schwarz oder Weiß, vielmehr handelt es sich um Grautöne.“ 

Zudem veränderten sich im 18. Jahrhundert die Konsumkulturen: Menschen besaßen mehr Dinge, und diese Dinge, etwa Keramik oder Textilien, wurden durch neue Produktionsformen feiner, und damit auch fragiler und potenziell weniger langlebig. „Eine Geschichte des Abfalls in London im 18. Jahrhundert ist deshalb ebenso eine Geschichte von Dienstmädchen, die die Asche auf die Wagen der dustmen schaffen, wie von Abfallunternehmern, die aus dem Recycling Profit schlagen“, so Neumann. „Es ist eine Geschichte der Abfallvermeidung, aber eben auch der zerbrochenen Teetasse. Recycling war sicher ein wichtiger Bestandteil frühneuzeitlicher Abfallregime, aber es handelt sich hierbei eben auch nur um eine Perspektive auf den Abfall.“

Wenn man nach dem Umgang mit Müll fragt, erfährt man also viel über eine Stadt, auch das macht das Thema für Franziska Neumann so reizvoll: „Es gibt so viele interessante Aspekte und Phänomene, das Thema ist wie ein Prisma, wie eine Linse in die Stadtgesellschaft: Man lernt etwas über die Organisation eines Haushalts, über die kommunalen Aufgaben, die Infrastruktur, die soziale Tektonik der Stadt.“ So fand sie in Kriminalakten lebensnahe Berichte über dustmen, die in die Häuser kamen und schon mal etwas mitgehen ließen, wenn das Dienstmädchen ihnen gerade ein Bier holte. 

Immer wieder stellt Neumann zudem fest, dass ihr Thema sehr anschlussfähig ist, bei Studierenden, bei Kolleginnen und Kollegen, auch aus anderen Disziplinen. „Ich bin an einer Technischen Universität und mit dem Müllthema kommt man ganz schnell mit Forschenden anderer Fakultäten ins Gespräch. Ich habe noch nie erlebt, dass da jemand die Nase rümpft, alle sagen spontan: Klar, wichtiges Thema.“ Diese Erfahrung macht sie auch am Wissenschaftskolleg: „Der Austausch mit den Fellows ist sehr spannend, alle haben hier so ein großes Bedürfnis zu verstehen, was die anderen machen! Ich bin sicher, dass ich viele Impulse für mein Buch mitnehmen werde.“ 

Frühneuzeitliche Lösungen für die aktuellen Probleme der Wegwerfgesellschaft wird man darin vergeblich suchen. „Aber zu sagen, damals war alles ganz anders und das hat keine Relevanz für die Gegenwart, ist auch falsch. Wir finden in der Geschichte keine Handlungsanweisungen für die Gegenwart. Aber der Blick in die Frühe Neuzeit hilft, um aktuelle Debatten um eine historische Tiefenschärfe zu bereichern. Die historische Perspektive ermöglicht reflexive Distanz und kann damit im besten Fall helfen, moderne Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen.“
 

Mehr zu: Franziska Neumann

Fotos: © Maurice Weiss

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