Abendkolloquium

Mittwoch, 19.02.2020
19:00–22:00 Uhr
Wissenschaftskolleg zu Berlin


Die empirische Forschung wird erwachsen: zur Replikationskrise in den Wissenschaften

Holger Spamann

Empirische Daten sind gleichermaßen Prüfstein und Fundament wissenschaftlicher Erkenntnis und damit auch eines großen Teils unseres Weltbildes. Leider sprechen Daten nicht für sich; sie müssen erst erhoben und dann von Menschen ausgewertet werden. Trotz wissenschaftlicher Methoden – und teilweise auch begünstigt durch die Struktur des Wissenschaftsbetriebs –  kann dabei allerhand schiefgehen. Dies hat auf vielen Forschungsgebieten zur sogenannten Replikationskrise geführt, d. h. zur Einsicht, dass ein schockierend hoher Anteil empirischer Ergebnisse nicht replizierbar und daher vermutlich schlicht falsch ist.
 
In seinem Vortrag berichtet Holger Spamann von seiner eigenen Arbeit und den gemeinschaftlichen Anstrengungen von Psychologen, Medizinerinnen, Ökonomen und anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, ihre Forschungsgebiete auf gesichertem empirischen Boden zu verankern. Auch die Nutzer wissenschaftlicher Ergebnisse können einen Beitrag zu diesen Anstrengungen leisten: durch einen verantwortungsbewussten Umgang mit den Berichten über wissenschaftliche Entdeckungen.
 
Holger Spamann, Fellow des Wissenschaftskollegs 2019/2020, ist Lawrence R. Grove Professor an der Harvard Law School. Als Ökonom und Jurist widmet er einen nicht unerheblichen Teil seiner Forschung der Re-Analyse empirischer Arbeiten zum Rechtssystem. Am Wissenschaftskolleg arbeitet er an einem sozialwissenschaftlich-mathematischen Modell des Rechts, mit dem er die Lehren aus der empirischen Forschung in die Rechtswissenschaften und die Psychologie integrieren will.



2019/2020

Holger Spamann

Lawrence R. Grove Professor of Law

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