ethnoArc - Linked European Ethnomusical Archives

Das Wissenschaftskolleg zu Berlin leitete und koordinierte dieses von der Europäischen Kommission finanzierte Verbundprojekt zwischen September 2006 und August 2008. Mit sechs Partnern aus vier Ländern wurden die Sammlungen der beteiligten Volksmusik-Archive in Bukarest, Budapest, Berlin und Genf besser zugänglich gemacht. Es wurde eine Software entwickelt, die es Wissenschaftlern und anderen Interessenten ermöglicht, die Katalogbestände der Lautarchive einzusehen und ihre Metadatenarchitektur in graphischer Darstellung zu erforschen. Im Zuge der Implementierung wurden die Archive auch zugleich in ihren Bemühungen um die Digitalisierung und Katalogisierung unterstützt.

Partnerinstitutionen:

Ausfürlichere Informationen:

Im Laufe des Jahres 2005 hat das Wissenschaftskolleg mit sechs Partnern ein Projekt ausgearbeitet, mit dem die ethnomusikalischen Bestände mehrerer Lautarchive besser zugänglich gemacht und gesichert werden sollen. Ziel ist die Entwicklung eines gemeinsamen digitalen Zugangsportals, das es Forschern und anderen Interessenten in Zukunft ermöglichen wird, die Bestände der verbundenen Archive in Bukarest, Budapest, Genf und Berlin abzufragen. Damit die Software-Entwickler die Architektur der Datenbank entwerfen und realisieren können, wird ein intensiver Austausch aller Beteiligten erforderlich sein, um sich auf das Set der zugrundliegenden Zuordnungen von Beschreibungsdaten (Metadaten) zu einigen. Im Zuge der Implementierung werden die Archive auch zugleich in ihren Bemühungen um die Digitalisierung und Katalogisierung unterstützt. Die Europäische Gemeinschaft wird ethnoArc für zwei Jahre finanzieren.

Die Projektidee entstand aus der Kenntnis des rumänischen volkskundlichen Archivs in Bukarest, und dieser Institution gilt auch die Hauptsorge: Seit vielen Jahren hatte sich das Wissenschaftskolleg in enger Kooperation mit dem New Europe College darum bemüht, für die Digitalisierung und Erfassung jener einmaligen Tondokumente - auf die György Kurtág und György Ligeti aufmerksam gemacht hatten - Mittel und Wege zu finden. Im Frühjahr 2005 sagte die Ernst von Siemens Musikstiftung auf einen entsprechenden Antrag, den das Wissenschaftskolleg zusammen mit drei befreundeten Institutionen, dem Fokus Fraunhofer Institut für offene Kommunikationssysteme, dem New Europe College Bukarest und dem Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, ausgearbeitet hatte, einen großzügigen Beitrag zu. Damit konnten erste konkrete Schritte für die Digitalisierung des rumänischen Volksmusikarchivs unternommen werden: Anschaffung notwendiger Ausrüstung, Einrichtung von Apparatur und Software, Erstellung von Informationsmitteln, Schulung, technische Übertragung und Dokumentation. Zugleich bewilligte das Bundesministerium für Bildung und Forschung dem Wissenschaftskolleg einen Zuschuss, damit ein größeres Projekt bei der Europäischen Union zur Eingabe vorbereitet werden könne. In der Folge reichte das Wissenschaftskolleg im September das Forschungsvorhaben ethnoArc ein, das positiv beurteilt und zur Finanzierung angenommen wurde.

Das Wissenschaftskolleg koordiniert dafür über zwei Jahre einen Verbund mit sechs weiteren Instituten aus vier verschiedenen Ländern:

  • Fokus Fraunhofer Institute for Open Communication Systems, Berlin
  • Institut für Ethnographie und Folklore " Constantin Brailoiu ", Bukarest
  • Archives Internationales de Musique Populaire, Genf
  • Ethnologisches Museum Berlin - Abteilung für Ethnomusikologie/ Phonogrammarchiv, Berlin
  • Institut für Musikwissenschaft der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, Budapest
  • New Europe College - Fundatia Noua Europa, Bukarest

Neben dem wichtigen Software-Entwickler (1) sind vier Archive (2-5) beteiligt und ein multidisziplinäres Forschungszentrum (6). Die Gesamtaufwendungen für das Vorhaben werden auf rund 1,2 Mio. € geschätzt, wovon die EU 706.000 € tragen wird.

Das konkrete Ziel von ethnoArc liegt in der Einrichtung eines gemeinsamen Zugangsportals für die vier Archive, so dass Forscher künftig die Bestände - soweit sie digitalisiert bzw. katalogisiert sind - über das Internet prüfen können, ohne für die Benutzung die je spezifischen Datenbanksysteme in ihrer Eigenart kennen lernen zu müssen. Die Schaffung eines solchen Verbundsystems stellt nicht nur für die Softwareentwicklung, sondern auch für die Ethnomusik- und Archivwissenschaft eine beachtliche Herausforderung dar: verschiedene Ordnungssysteme in verschiedenen Sprachen müssen auf Entsprechungen und gemeinsame Kategorien hin koordiniert werden. Der Diskussionsprozess, der dabei in Gang kommt, wird auch bewirken, dass die volkskundlichen Sammlungen einen weiteren Blickwinkel gewinnen und ihre Aktivitäten in europäischen Zusammenhängen situieren können. Von besonderem Interesse ist, dass zwischen den volksmusikalischen Sammlungen der beteiligten Partner auch inhaltliche Zusammenhänge bestehen, die aber bisher kaum zu konkreten Arbeitsverbindungen geführt hatten.

Erhofft wird auch, dass durch ethnoArc beziehungsweise seine Ergebnisse - bessere Zugänglichkeit der volksmusikalischen Quellen - dieses kulturelle Erbe stärker in die öffentliche Wahrnehmung gerückt wird und sowohl von Wissenschaftlern als auch von Kunst- und Kulturschaffenden besser genutzt und zur Geltung gebracht werden kann.

(April 2006)

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