Cultural Mobility in nahöstlichen Kulturen

Das Projekt Cultural Mobility in nahöstlichen Literaturen thematisiert die vielfältigen Transfer- und Austauschprozesse der Literaturen des Nahen Ostens mit anderen Literaturen der Welt. Das Vorhaben wird von der Arabistin Dr. Friederike Pannewick (Universität Oslo) geleitet und steht in Zusammenhang mit einem gleichnamigen Schwerpunkt, der am Wissenschaftskolleg zu Berlin unter der Leitung des Komparatisten Stephen Greenblatt (Harvard) ab dem akademischen Jahr 2003/2004 zu Fellow-Einladungen führen wird.
Nahöstliche Literaturwissenschaft wird im Projekt Cultural Mobility in nahöstlichen Literaturen als Teilbereich der Komparatistik gesehen, die in Deutschland bisher mehrheitlich auf die Literaturen Europas und Nordamerikas beschränkt war. Der interdisziplinäre Austausch mit anderen, europäischen und außereuropäischen, Literaturwissenschaften ist eines der zentralen Ziele des Vorhabens. Für Forscher der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft bietet das Projekt die Chance einer theoretisch reflektierten Arbeit an Texten der klassischen und modernen nahöstlichen Literaturen und einer damit verbundenen Erprobung literaturwissenschaftlicher Begriffe und Methoden an einem außereuropäischen, bislang weitgehend marginalisierten Paradigma.

Der Anspruch des Projekts ist nichts weniger als der Versuch dazu beizutragen, dem Begriff der Weltliteratur neues Leben zu verleihen, als einem Konzept, das nicht auf einen Kanon vorbildlicher Werke zielt, sondern auf den wechselseitigen Austausch der Literaturen und Kulturen. So wird es darum gehen, mit den der Literaturwissenschaft eigenen Verfahren und Begriffen Diskurse, Texte, performative Sprechakte und mediale Repräsentationen in neuer Weise zu erschließen, in ihren vielfältig verzweigten grenzüberschreitenden Wanderwegen, aber auch in ihren Traditionsbezügen, intertextuellen Verflechtungen und intermedialen Übersetzungen. Dabei liegt die Annahme zugrunde, dass Literatur wie kaum ein anderer kultureller Bereich dabei mithelfen kann, Tiefendimensionen menschlichen Verhaltens und Erlebens zu verstehen, in denen Einbildungskraft und Gefühl, Diskurse und Bilder eine unsere Wahrnehmung wie unsere Handlungen steuernde Funktion haben. Insofern mögen die hier geführten Forschungen in einer weitergehenden Perspektive einmal einen Beitrag zu einer Literarischen Anthropologie leisten.

In dem auf drei Jahre angelegten Projekt (2002 - 2005) sollen verschiedene Fragestellungen der nahöstlichen Literaturwissenschaft erprobt werden. Es wird zum einen um die 'Perzeption des Anderen' gehen, um kulturüberschreitende Interaktionen, Reiseliteratur oder Themen der post colonial studies, und zum anderen um Fragestellungen aus den Bereichen Diaspora, Exil und Minoritäten bzw. um Facetten von Mehrsprachigkeit. Ein weiterer Schwerpunkt wird sich mit Poetik und Intertextualität befassen; hier wird es um cultural mobility zwischen verschiedenen außereuropäischen Literaturen gehen, aber auch um literarische Kanonbildung sowie die Literarizität und Performativität religiöser Texte.

Das Projekt nimmt im Jahre 2002 seine Arbeit mit Forschungen zum Thema Überschreitung - Opfer - Zeugnis auf. Dabei soll es um so unterschiedliche Phänomene gehen wie das Märtyrertum in der Moderne, die parareligiöse Besetzung säkularer Vorgänge und Erfahrungen sowie die Inszenierung von Körperlichkeit, jeweils im Kontext mit Erinnerungskultur, Medientransfer und Kritik der Diskurse.
Cultural Mobility in nahöstlichen Literaturen wird im Rahmen des am Wissenschaftskolleg zu Berlin angesiedelten Arbeitskreises Moderne und Islam: Verflechtungen aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert.

Der Projektgruppe gehören derzeit an: 

- Professor Dr. Thomas Bauer (Universität Münster)
- Professor Dr. Beatrice Gründler (Yale University)
- Dr. Stefan Guth (Universität Bern)
- PD Dr. Verena Klemm (Universität Würzburg)
- Sonja Mejcher (FU Berlin)
- Professor Dr. Angelika Neuwirth (FU Berlin)
- Dr. Friederike Pannewick (Universität Oslo)
- Andreas Pflitsch (FU Berlin)
- Christian Szyska (Universität Bonn)
- Prof. Dr. Sigrid Weigel (Zentrum für Literaturforschung, Berlin)

Protokolle und Berichte

When love kills
Workshop, 01.-02. Juli 2003

Cosmopolitanism in Pre-Modern Islamic Literature
Workshop, 26. April 2004

Literature and Borders. Delimitations. Transgressions
Sommerakademie, 29. August - 8. September 2004

Image Creation as a Problematic
Workshop, 28. - 29. April 2005