Agenda für eine Zivilgesellschaft in Südosteuropa 2001 - 2003 (Blue Bird)

Der Wiederaufbau Südosteuropas setzt eine gemeinsame Vision von der Region und in der Region voraus. Um diese intellektuelle Herausforderung zu meistern, ist der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit erforderlich. Deshalb haben sich Sozial- und Geisteswissenschaftler aus ganz Südosteuropa zusammengefunden, um in dreijähriger Forschungsarbeit ein politisches Strategiepapier zu erarbeiten. Diese "Agenda for a Civil Society in South East Europe" soll eine Vision für die Entwicklung der Zivilgesellschaft auf dem Balkan formulieren. Ihre Adressaten sind Regierungen, supranationale Organisationen und die internationale Öffentlichkeit.

Projektleitung

Der bulgarische Politologe Ivan Krastev (Direktor des Centre for Liberal Strategies in Sofia/Bulgarien, Fellow am Wissenschaftskolleg 1999/2000) leitet das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Center for Policy Studies an der Central European University in Budapest. Er wird dabei von einem Steering Committee unterstützt, dem international renommierte Wissenschaftler sowie Vertreter von Stiftungen und Institutes for Advanced Study angehören.

Unterschiedliche Themenschwerpunkte werden in vier verschiedenen Arbeitsgruppen behandelt:

1. Wie kann eine Politik der sozialen Inklusion in Südosteuropa ermöglicht werden?

Diese Forschungsgruppe analysiert den schwierigen Prozess der "Sozialisation" in dieser Region, u. a. unter folgenden Fragestellungen:

  • die Gründe und Phasen sozialer Inklusion und Exklusion
  • die Risiken der sozialen Kohäsion
  • die Einflussnahme gesellschaftlicher und politischer Gruppen auf die soziale Agenda
  • gender problems
  • ethnische Konflikte
  • Jugend und Adoleszenz
  • die Rolle der NGOs und Universitäten
  • die Folgen einer 'beschleunigten' bzw. verzögerten Integration in die EU

Koordinator: Dr. Mihail Arandarenko (Central European University Budapest/Ungarn)

2. Wie  können die regionalen Ökonomien in den Weltmarkt integriert werden?

Fragestellungen dieser Gruppe sind beispielsweise:

  • die ökonomischen Folgen des Aufbaus eines regionalen Marktes und der Einführung des Euro als gemeinsame Währung
  • Vor- und Nachteile der Wirtschaftsstandorte in der Region
  • die Faktoren für das Investitionsverhalten des Auslands
  • die Strategien der Opposition gegen die Globalisierung
  • die Rolle des Nationalstaates bei der Förderung oder Verhinderung von Wettbewerbsstrategien

Koordinator: Dr. Ilian Mihov (z. Zt. INSEAD Paris/Frankreich)

3. Wie sieht die Zukunft der Nationalstaaten in Südosteuropa aus?

Diese Forschungsgruppe konzentriert sich u.a. auf folgende Probleme:

  • die innere Dynamik der Staatenbildung in der Region
  • die Überlebensfähigkeit der existierenden Staaten und Kleinstaaten
  • die bestehenden Verfassungs- und Regierungssysteme und deren Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft
  • die von 'schwachen' Staaten ausgehenden Risiken
  • die Erfolgsaussichten für die Einführung regionaler Institutionen
  • die Auswirkungen der EU-Erweiterung auf das Funktionieren der Nationalstaaten in der Region
  • die Zukunftsperspektiven 'mono'- bzw. multiethnischer Staaten

Koordinatorin: Dr. Alina Mungiu-Pippidi (Romanian Academic Society, Bukarest/Rumänien)

4. Wie kann eine südosteuropäische Identität ermöglicht werden?

Diese Forschungsgruppe untersucht u.a. folgende Aspekte der Konstruktion von Identitäten:

  • die gemeinsame Geschichte der Region
  • die Errichtung eines Bildungssystems, das die nationalen Identitäten berücksichtigt
  • die Dynamik der Konstruktion europäischer, nationaler und regionaler Identitäten
  • die Rolle der Religionen bzw. religiöser Konflikte für die Entwicklung einer südosteuropäischen Identität

Koordinator: Dr. Alexander Kiossev (Universität von Sofia bzw. Sofia Academic Nexus/Bulgarien)

Die Gruppen stellen ihre Forschungen in regelmäßigen Abständen auf Tagungen und Workshops sowie in Publikationen zur Diskussion.
2003 werden die Ergebnisse der einzelnen Gruppen in der Agenda zusammengefasst.

Kooperationspartner

Neben dem Wissenschaftskolleg zu Berlin unterstützen die Vereinten Nationen, die Bundesrepublik Deutschland, Schweden und die Niederlande, der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und die VolkswagenStiftung das Projekt.

Ansprechpartner:
Dr. Andrea Krizsán, Central European University, Budapest 
E-Mail: krizsan(at)ceu.hu

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