Schwerpunktgruppe 2016/2017

Ursachen und Konsequenzen der Variation im Geschlechter­verhältnis adulter Wirbeltiere


Das Verhältnis der Anzahl geschlechtsreifer männlicher und weiblicher Individuen einer Population (ASR; adult sex ratio) ist eine grundlegende Variable der Demogra­fie und Populationsbiologie. Aufgrund theoretischer Überlegungen sollte die ASR einen wichtigen Einfluss auf mehrere Aspekte des Fortpflanzungsverhal­tens, wie Art und Intensität der Fortpflanzungs­konkurrenz, Ausprägung von Geschlechterrollen sowie Muster elterlicher Fürsorge, sowohl bei Tieren als auch beim Menschen haben. Die ASR sollte daher Variation in Paarungssyste­men sowohl zwischen Arten als auch zwischen Populationen erklären können. Tatsächlich haben erste vorläufige Studien in verschiedenen menschlichen Populationen gezeigt, dass die ASR vorherrschende Muster der Partnerwahl, ökonomische Entscheidungen, Scheidungsraten, die Häufigkeit von Seiten­sprüngen, aber auch von Vergewaltigungen und Gewalt gegen Frauen erklären kann. Eine systematische Analyse publizierter Daten über Ursachen und Konsequenzen von Variation in der ASR freilebender Wirbeltierpopulationen könnte daher zu einem umfassenderen und vertieften Verständnis der evolutio­nären Prozesse beitragen, welche diese Aspekte des Sozialverhaltens bei Tieren und Menschen beeinflussen.
 
Da die ASR zwischen und innerhalb von Arten sehr variabel ist wollen wir in dieser Schwerpunktgruppe publizierte Daten über die ASR, Sozialsysteme, Ökologie und Lebenslaufvariablen von verschiedenen Wirbeltiergruppen sam­meln und einer Metaanalyse unterwerfen. Dabei wollen wir einerseits verste­hen, welches die Ursachen für Variation in der ASR bei Fischen, Amphibien, Reptilien, Vögeln und Säugetieren sind, und andererseits Zusammenhänge zwischen Variation in der ASR mit Variation im Sozialverhalten, in Geschlechterrollen und Paarungssystemen aufdecken. Wir hoffen, allgemeine Prinzipien zu identifizieren, die über Millionen von Jahren der Wirbeltierevo­lution entstanden sind und daher vermutlich auch Aspekte des menschlichen Sozialverhaltens mit beeinflussen.
 

Tamás Székely und Peter M. Kappeler

Convener


2016/2017

Peter M. Kappeler

Professor of Sociobiology and Anthropology

mehr


2016/2017

Tamás Székely

Professor of Biodiversity

mehr


Mitglieder


2016/2017

Steven R. Beissinger

Professor of Ecology and Conservation Biology

mehr


2016/2017

Michael Jennions

Professor of Evolutionary Biology

mehr