Schwerpunktgruppe 2010/2011

Grenzen der Krankheitsbekämpfung – Scheitern an Krankheiten


Parasitenerkrankungen gehören zu den wichtigsten Elementen in der menschlichen Medizin und in der Landwirtschaft, wie auch in natürlichen Ökosystemen. Ungeheuer große Ressourcen werden dem Kampf gegen Infektionskrankheiten gewidmet, und große Bereiche der Medizin, Pflanzenpathologie und der Veterinärwissenschaften forschen aktiv und verfolgen dieses Ziel. In den letzten zehn Jahren haben auch Ökologen und Evolutionsbiologen das Feld der Biologie von Infektionskrankheiten betreten. Ihre Arbeiten haben bereits enorm dazu beigetragen, dass wir den Krankheitsprozess besser verstehen – aber dennoch gibt es immer noch riesige Lücken in unserem Wissen und Verstehen der Evolution von Krankheiten. In der Evolutionsbiologie gibt es zum Beispiel eine Tendenz, sich eher auf den Erfolg des Evolutionsprozesses zu konzentrieren, und nicht auf dessen Scheitern. Von einem einfachen Standpunkt aus betrachtet stellt das bloße Auftreten von Krankheiten bei einer Spezies ein evolutionäres Scheitern dar: Die Unfähigkeit des Wirts, eine Resistenz gegen die Krankheit zu entwickeln. Doch in der Biologie von Krankheiten ist evolutionäres Scheitern ein zweischneidiges Schwert: Auch die Pathogene selbst können sich evolutionär entwickeln oder daran scheitern zu evoluieren. Warum etwa hat Treponema pallidum, das Bakterium, das Syphilis verursacht, keine Resistenz gegen Penicillin entwickelt? Warum gibt es keine Mutanten des Masernvirus, die dem Impfstoff entgehen? Wirte und Pathogene befinden sich in einer ständigen Koevolution, und es ist wichtig zu verstehen, was diesen Prozess begrenzt und was ihn erleichtert. 

Auf einer eher allgemeinen Ebene mangelt es uns an Theorien; sie würden dazu beitragen, die Vielfalt dieser Phänomene zu erklären und die empirischen und anwendungsorientierten Herangehensweisen an die Biologie von Krankheiten besser zu steuern. Welche Theorie bräuchte man, um die Ökologie und die Evolution von Krankheiten wirklich zu verstehen? Warum entziehen sich bestimmte Pathogene der Kontrolle durch den Menschen, während wir andere beherrschen können? Gibt es allgemeine Regeln, welche die Unterschiede erklären, die wir bei diesen Systemen entdecken? Die Schwerpunktgruppe versammelt führende Forscher auf dem Gebiet der Evolution von Krankheitserregern mit dem Interesse, die Grenzen der aktuellen Ansätze bei der Erforschung der Evolution und der Bekämpfung von Krankheiten zu untersuchen.

Convener


2010/2011

Janis Antonovics

Lewis and Clark Professor der Biologie

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