2015/2016

Anda Rottenberg, Dr.

Fine Arts, Art History; Curatorial Studies, Curator and Art Critic

Warschau

Born in 1944 in Novosibirsk
Studied Art History at the University of Warsaw

Foto: Twoj Styl Polish Monthly

Arbeitsvorhaben

Judith - Salome - Ophelia: the Representation of Some Female Characters in European Art in the Light of Contemporary Gender Studies

Besides the Virgin Mary and a few popular holy saints (like Anna, Barbara, Agnes, Maria Magdalena) who were depicted in a nice and peaceful manner, several other women characters drew special attention from artists for many centuries. They were represented in art from the Renaissance period to the 20th century in a great variety of poses and situations. The artists chose biblical heroines like Judith or Yael, real historical figures like Lucretia and Cleopatra or the personalities popular in the Christian tradition like Salome or St. Theresa d'Avila to become subjects of their art, mainly paintings and sculptures. The 19th- and 20th-century artists extended their interest to cover the only female character that was not derived from the religious Christian tradition, but from drama. Their heroine became Shakespeare's Ophelia, the victimized fiancée of Hamlet.
In the course of five centuries, the representation of these characters differed not only in accordance with the changes of the consequent historical styles and particular schools, but also due to the different interpretation of the same tale drawn from the current philosophical and theological flows and possibly to political needs in the given period and place.
My interest is to trace these causalities in the light of contemporary gender studies.

Recommended Reading

Rottenberg, Anda. Tür an Tür: Polen - Deutschland; 1000 Jahre Kunst und Geschichte [Exhibition in the Martin-Gropius-Bau, Berlin from 23. 9. 2011 to 9. 1. 2012]. Cologne: DuMont, 2011.
-. Prosze bardzo [Bitte schön]. Warsaw: Wydawnictwo W.A.B, 2009.
-. "Sztukaw Poisce 1945-2005" [Art in Poland 1945-2005]. Warsaw: Wydawn. Piotra Marciszuka "Stentor", 2007.

Dienstagskolloquium, 24.05.2016

Die Perspektive der Jugendlichen

Jedes Jahr werden überall auf der Welt neue Studien zu Kunstwerken veröffentlicht, die sich mit dem Trauma des Zweiten Weltkriegs und mit der kollektiven Erinnerung an ihn befassen. Vielleicht gibt es bereits mehr Untersuchungen als Kunstwerke zu diesem Thema, aber dennoch wächst die Zahl der Studien weiter. Generationen von Künstler/innen machen weiterhin auf immer neue ästhetische Aspekte aufmerksam, die die vorhandenen und über Jahrzehnte entwickelten Muster der kollektiven Erinnerung verfeinern, neu formen und letztlich aktualisieren. Generationen von Wissenschaftler/innen haben ihrerseits auf renommierte Werke zurückgegriffen, um in ihnen nach zuvor übersehenen Bedeutungen und Aspekten zu suchen. Einer dieser Aspekte, den eine bedeutsame Gruppe von Künstler/innen gemeinsam hat, bezieht sich auf die spezielle Lebensphase, in der sie den Krieg erlebten - nämlich auf ihre Adoleszenz.

Die Adoleszenz bzw. Pubertät wird oft als Lebensabschnitt wahrgenommen, der schon an sich traumatisch ist. Je nach den Lebensumständen des jungen Menschen - seinem Familienleben, seinem Verhältnis zu Gleichaltrigen, der Art und Weise seiner sexuellen Initiation, dem Bildungssystems, das er erfährt - kann diese Lebensphase einen entscheidenden Einfluss auf den Verlauf seines gesamten Lebens haben. Faktoren wie der Tod eines Elternteils und die demoralisierende und obszöne Erfahrung des Krieges schaffen die Bedingungen für ein "Syndrom der Kriegsjugend", die ein spezifisches Stigma trägt.

Mein Interesse gilt den "kriegsbefleckten" Werken von drei Repräsentanten dieser Generation: Dem Maler Andrzej Wróblewski (1927-1957), der Bildhauerin Alina Szapocznikow (1926-1973) und dem Regisseur Andrzej Wajda (geb. 1926). Abgesehen davon, dass sie etwa zur gleichen Zeit geboren wurden und ihre Väter früh verloren, haben sie auch die Erfahrung gemeinsam, an einem speziellen Ort und in einer besonderen Zeit aufgewachsen zu sein. Der Zweite Weltkrieg brach über Polen am 1. September 1939 herein und dauerte sechs Jahre; in jedem Teil des Landes wurden beispiellose Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung begangen. Diese drei Künstler waren Zeugen und Teilnehmer an Ereignissen, die ihr Leben und ihre Werke auf besondere Weise prägen sollten; zusätzlich wurden ihre Werke von der Nachkriegspolitik und der Ideologie beeinflusst, die ihnen vom kommunistischen Regime aufgezwungen wurde und die damit die kollektive Erinnerung Polens für mindestens vier Jahrzehnte unterdrückte.

Der Prozess einer Neuinterpretation des Œuvres von Andrzej Wróblewski und Alina Szapocznikow begann vor fast zwanzig Jahren und ist noch nicht abgeschlossen; das Werk von Andrzej Wajda wartet noch darauf. Meine Präsentation ist ein Auszug aus einem größeren Überblick, den ich mit Blick auf die bereits genannten Künstler angehe; dabei befasse ich mich thematisch mit dem Zweiten Weltkrieg und der Erinnerung an ihn.

Neues in der Bibliothek

Adoleszenz, Krieg, Trauma : Kunst von Szapocznikow, Wajda und Wróblewski

Adoleszenz, Krieg, Trauma : Kunst von Szapocznikow, Wajda und Wróblewski

Berliner Wirtschafts-Verlag