© Maurice Weiss

Permanent Fellow

Luca Giuliani , Dr. phil., Permanent Fellow

Rektor des Wissenschaftskollegs, Professor (em.) der Klassischen Archäologie

Humboldt-Universität zu Berlin

Geboren 1950 in Florenz
Studium der Klassischen Archäologie, Ethnologie und Italienischen Literaturwissenschaft an der Universität Basel und an der Ludwig-Maximilians-Universität München


Arbeitsvorhaben

Aufkommen und gesellschaftliche Funktion narrativer Bilder im alten Griechenland

In der frühen griechischen Ikonografie kann man zwei Sorten von Bildern unterscheiden: Die einen zeigen habituelle menschliche Verhaltensweisen, wie sie ihrem Publikum vertraut sind, die anderen außergewöhnliche Konstellationen, die nur dann verständlich werden, wenn man sie auf eine bestimmte Geschichte bezieht. Bilder der ersten Kategorie bezeichne ich als deskriptiv, die der zweiten als narrativ. Für deskriptive Bilder gab es in Griechenland eine alte Tradition: Die ganze Ikonografie des zweiten und frühen ersten Jahrtausends, bis zum Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr., war ausschließlich deskriptiv gewesen. Narrative Bilder hingegen kommen erst um 700 v. Chr. auf. Was hat zu dieser Neuerung geführt? Narrative Bilder verlangen sowohl von den Bild-Produzenten wie von deren Rezipienten einen Mehr-Aufwand, der nur dann geleistet wird, wenn ihm ein entsprechender Mehr-Wert entspricht. Ich versuche zu klären, worin der kulturelle und gesellschaftliche Mehrwert narrativer Bilder bestanden haben könnte.

Lektüreempfehlung

Giuliani, Luca. "The Emergence and Function of Narrative Images in Ancient Greece." Res: Anthropology and Aesthetics 67/68 (2016/17): 193-206.

Dienstagskolloquium , 28.03.2017

Michelangelos David und seine Schleuder

In dieses Projekt bin ich zufällig hinein geraten. Im Sommersemester 2014 veranstaltete eine Gruppe von Studierenden der Humboldt-Universität (vorwiegend Historiker, dazu einige Kunsthistoriker und ein paar Klassische Archäologen) ein Seminar über die Antike als Vorbild in Florenz im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Ich wurde eingeladen, daran teilzunehmen. An das Seminar schloss sich eine Exkursion nach Florenz an. Zum Programm gehörte auch ein Besuch in der Galleria dell’Accademia, wo wir uns (wie alle Touristen) auf Michelangelos David konzentrierten. Vor der Statue stehend, fragte ich einigermaßen naiv, was David denn eigentlich tue: eine denkbar nahe liegende Frage für einen Archäologen, der den Umgang mit griechischer Plastik gewohnt ist. Das gab Anlass zu einer lebhaften Diskussion; mehrere Antworten wurden vorgeschlagen, von denen aber keine vollständig überzeugend war.

Wieder nach Berlin zurück gekehrt, wandte ich mich der Forschungsliteratur zu, die im Fall des David umfangreich und gewichtig ist. Aber zu meiner Überraschung fand ich keine Antwort: Es gab keine Publikation, in der die dargestellte Handlung als ein zu klärendes Problem diskutiert worden wäre. Dasselbe galt, zu meiner noch größeren Überraschung, für den Gegenstand, den David in den Händen hält. Nach allgemeinem Konsens handelt es sich eine Schleuder: Aber wie ist diese gebildet und wie soll sie funktionieren? Warum sehen wir so wenig von ihr und warum verbirgt David den größten Teil davon hinter seinem Rücken? Ich suchte nach Fotos von Details, vor allem der beiden Extremitäten der Schleuder: Aber auch in diesem Punkt blieb ich erfolglos; ich fand keine Bilder, auf denen das, was ich wollte, zu sehen gewesen wäre. Das machte mich neugierig und ich beschloss, der Sache etwas weiter nachzugehen.

Ende letzten Jahres im November erhielt ich dankenswerterweise Zutritt zu dem Gerüst, das in regelmäßigen Abständen aufgebaut wird, um die Statue (sorgfältig!) zu staubsaugen, und konnte den Befund aus der Nähe betrachten. Fünf Monate später glaube ich, in der Lage zu sein, auf die meisten meiner Fragen Antworten zu formulieren. Diese werfen vielleicht eine neues Licht auf die Interpretation der Statue insgesamt.


Publikationen aus der Fellowbibliothek

Giuliani, Luca ( 2016)
Michelangelos Quader : ein Nachtrag

Giuliani, Luca ( 2015)
How id the Greeks translate traditional tales into images? Images for classicists

Giuliani, Luca ( Basel, 2015)
Das Wunder vor der Schlacht : ein griechisches Historienbild der frühen Klassik Jacob-Burckhardt-Gespräche auf Castelen ; 30

Giuliani, Luca ( 2013)
Kästchen oder Quader? : zur Sitzstatue des Lorenzo de' Medici in der Sagrestia Nuova und zum Problem der Materialität in den Skulpturen Michelangelos Mitteilungen des Kunsthistorischen Institutes in Florenz

Giuliani, Luca ( 2013)
Sarcofagi di Achille tra oriente e occidente : genesi di un'iconografia Tre figure : Achille, Meleagro, Cristo

Giuliani, Luca ( 2013)
Routi haishi shitou - Mikailangqiluo de Loulunzuo Meidiqi mudiao Fleisch oder Stein - Michelangelos Grabstatue des Lorenzo de Medici <chin.>

Giuliani, Luca ( 2013)
Ein Kelch für Mr. Warren Konservative Ästhetik

Giuliani, Luca ( 2013)
Konservative Ästhetik Zeitschrift für Ideengeschichte ; 7.2013,3

Giuliani, Luca ( Göttingen, 2013)
Possenspiel mit tragischem Helden : Mechanismen der Komik in antiken Theaterbildern Historische Geisteswissenschaften ; 5

Giuliani, Luca ( Chicago, 2013)
Image and myth : a history of pictorial narration in Greek art Bild und Mythos. <engl.>


Features

dctp.tv
Die Geschichte vom Zorn

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Lectures on Film 25.11.2012

Fleisch oder Stein? Zu Michelangelos Grabstatue des Lorenzo Medici

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Zeitschrift für Ideengeschichte

Konservative Ästhetik

Heft VII/3 Herbst 2013

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Zeitschrift für Ideengeschichte

Spätzünder

Heft XI/2 Sommer 2017

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Zeitschrift für Ideengeschichte

Schändung

Heft IX/3 Herbst 2015

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Köpfe und Ideen 2018

„Die Gruppe ist am Ende eines Jahres jugendlicher ...“

von Lothar Müller

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Workshop 17.06.2015

Ornament and Figure in Graeco-Roman Art: Rethinking Visual Ontologies in Classical Antiquity and Beyond

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Vortrag19.12.2012

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Vortrag26.10.2016

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