© Sasha Snow

2019/2020

Benedict Taylor, Ph.D.

Musicology

Universität Edinburgh

Born in 1981 in Oxford, United Kingdom
Studied Music at the University of Cambridge and King's College London


Arbeitsvorhaben

Music and Subjectivity: Hearing the Self in 19th-Century Music

"Subjectivity" is one of the most popular and yet at the same time most obscure terms in the modern human sciences, and nowhere is this more evident than in its use in relation to music. Though for at least two centuries music has commonly been understood as an art intimately bound up with our feelings of self and subjective being, it is decidedly unclear quite how musical sounds can be heard to create a sense of quasi-human agency or presence. One side effect of such methodological imprecision is that discussion of music and subjectivity is often vague and ambiguous, with a plethora of apparently distinct but related terms regularly being called upon (subjectivity, persona, agency, presence, etc.).
My proposed research seeks to interrogate the notion of musical subjectivity through a combination of musical, historical and philosophical perspectives. Conceived as part of an ongoing wider project on subjectivity in 19th-century music, the current proposal focuses on the production of a monograph-length study concentrating particularly on the music of Robert Schumann. This will combine close analysis of his music, consideration of the historical and cultural context in which it emerged, and broader philosophical discussion of the idea of subjectivity. Ultimately my aims are twofold: to achieve a critical refinement of how the concept of subjectivity is applied to music, and to investigate the importance of music in constructing a modern sense of self.

Recommended Reading

Taylor, Benedict. The Melody of Time: Music and Temporality in the Romantic Era. Oxford and New York: Oxford University Press, 2016.
-. Mendelssohn, Time and Memory: The Romantic Conception of Cyclic Form. Cambridge: Cambridge University Press, 2011.
-. "Absent Subjects and Empty Centres: Eichendorff's Romantic Phantasmagoria and Schumann's Liederkreis, Op. 39." 19th-Century Music 40, 3 (2017): 201-222.

Dienstagskolloquium , 07.10.2019

Auf der Suche nach einem Subjekt der Musik: Musik, Subjektivität und Schumann

In den letzten Jahrzehnten gehört "Subjektivität" in wissenschaftlichen Darstellungen von Musik zu den gängigsten Begriffen; gleichzeitig ist der Begriff aber auch äußerst unklar und schlecht definiert. Selten halten die zahlreichen Schriften, die auf ihn zurückgreifen, inne und fragen danach, was mit diesem Ausdruck gemeint ist oder wodurch er gestützt werden könnte. Meines Erachtens liegt dies weniger an wissenschaftlicher Trägheit als vielmehr daran, dass viele Autorinnen und Autoren das Gefühl haben, sie wüssten intuitiv, was der Begriff bedeutet, und erkennen, dass er eine wichtige, wenn nicht sogar unverzichtbare Aufgabe erfüllt; doch sie stellen fest, dass sie sich beim Versuch, eine bessere Definition zu finden, in einem undurchdringlichen Begriffsdickicht verfangen.

Teilweise entsteht die Schwierigkeit dadurch, dass Subjektivität anscheinend kein Einzelgegenstand ist. Und sie ist - zumindest nach einigen Darstellungen - auch nicht auf eine Gruppe von Gegenständen zu reduzieren. Mit etwas mehr Sicherheit kann man den Ansatz vertreten, dass Subjektivität ein Relationsbegriff ist. Doch die augenscheinliche Grundlage dieser Beziehung - das Subjekt oder das Selbst - ist seinerseits heiß umstritten und wird von einigen Autoren sogar geleugnet. Und selbst wenn wir zu einer provisorischen Antwort auf all diese Einwände kommen: Wie finden wir auch nur einen Ansatzpunkt, um diesen Begriff auf Musik zu beziehen, die sich anscheinend auf ganz ähnliche Weise den Beschränkungen durch die Sprache entzieht? Angesichts dieser Umstände erscheint es verzeihlich, wenn man das ganze Thema zu den Akten legt - als nur ein weiteres Beispiel musikwissenschaftlicher Verschwommenheit und müßiger Hermeneutik. Trotz all dieser offenkundigen Schwierigkeiten sind wir implizit oder explizit auf diesen Begriff angewiesen, um verschiedene Annahmen über Musik und ihre Wirkung auf uns zu untermauern. Vielleicht sind wir nicht sicher, was Subjektivität eigentlich genau ist, doch sie ist anscheinend die Voraussetzung dafür, wie ein Großteil der klassischen Musik des Westens in den letzten Jahrhunderten rezipiert wurde.

In diesem Vortrag lege ich einige der Probleme dar, mit denen ich mich in der Monografie, an der ich gerade schreibe, befassen möchte (hinsichtlich des Titels bin ich noch unentschlossen, aber "Music, Subjectivity, and Schumann" liegt derzeit ganz vorne im Rennen!). Wir beginnen mit ein paar Musikbeispielen von Schumann, denen subjektive Qualitäten zugeschrieben werden können - und wurden -, dabei variiert der Grad an Plausibilität der unterschiedlichen Argumentationen. (Tatsächlich ist es für mich besonders interessant, ob Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anderer Fächer einige dieser Interpretationen akzeptieren oder nicht.) Dies ist der Ausgangspunkt für eine detailliertere Darstellung davon, wie wir die Anwendung dieses Begriffs auf Musik definieren könnten. Dabei folge ich der Gliederung meines Einleitungskapitels mit der etwas überheblichen Überschrift "Defining Subjectivity". Anhand der Problematisierung musikalischer Subjektivität erläutere ich die verschiedenen Bedeutungen, die man dieser schwierigen Idee gegeben hat, und schlage im Zuge eines Klärungsprozesses eine Reihe möglicher Bedeutungen vor. Anscheinend bezieht sich Subjektivität hier auf die Erfahrung von Musik, die der Erfahrung ähnelt, die man mit einem Lebewesen, einem belebten Bewusstsein macht; doch die Erfahrung kann offenbar so unmittelbar sein, dass diese Unmittelbarkeit die musikalische Erfahrung zu einer privilegierten Ich-Erfahrung werden lässt - als ob man sie irgendwie als Teil seiner selbst wahrnimmt. Danach schaue ich wiederum, wie sich Subjektivität sowohl in der Musik als auch in der Geschichte manifestiert und befrage die Idee eines Subjekts der Musik anhand einer Reihe von Fragen, die man so zusammenfassen kann: Wer, wie, wo, wann und warum?


Publikationen aus der Fellowbibliothek

Taylor, Benedict ( Berleley, Carlif., 2017)
Absent subjects and empty centers : Eichendorff's romantic phantasmagoria and Schumann's Liederkreis, Op. 39

Taylor, Benedict ( Abingdon, 2014)
Schubert and the construction of memory : the string quartet in A minor, D.804 (‘Rosamunde’)


Dienstagskolloquium08.10.2019

In Search of a Musical Subject: Music, Subjectivity, and Schumann

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