© Daniel Vegel

2019/2020

Tijana Krstic, Ph.D.

Associate Professor of History

Central European University, Budapest

Born in 1975 in Belgrade
Studied History at the University of Michigan, Ann Arbor


Arbeitsvorhaben

The Fashioning of a Sunni Orthodoxy and the Entangled Histories of Confession-Building in the Ottoman Empire, 15th-18th Centuries

How and why did the Ottoman Empire evolve from a 14th-century polity where ambiguity between Sunnism and Shiism prevailed into a state concerned with defining and enforcing a "Sunni orthodoxy" by the early 16th century? What were the social consequences of this process and who were its agents as well as its discontents between c. 1450 and 1750? Was this phenomenon in any way related to the religio-political developments in other communities in the Ottoman Empire and beyond during this period? During my Fellowship at the Wissenschaftskolleg, I plan to co-author a monograph together with my colleague Derin Terzioglu that would sum up the results of our five-year-long research into these questions. We argue that the Ottoman engagements with the Sunni tradition and attempts to define a Sunni orthodoxy and orthopraxy were decisively shaped by the changing political and intellectual dynamics of post-Mongol Eurasia and the Ottoman experience of empire-building. However, they were also in dialogue with the dynamics within non-Muslim, especially Christian communities, both in the Ottoman Empire and beyond (via missionaries, converts, and all sorts of "trans-imperial subjects"), which were, in turn, informed by the new push to articulate confessional orthodoxies in the wake of the Reformation. In our book, we make a case for an "entangled history of confessional polarization" that spanned early modern Eurasia, and we explore its social consequences in different communal and geographical settings across the Ottoman Empire. Our goal is not only to shed light on the nature of these entanglements in the Ottoman context, but also on how they affect our understanding of early modern history and the role of religion in this era. My own research explores normative genres, such as Ottoman Sunni catechisms, sermons, and anti-Shii polemics to examine how "Sunni-ness" was defined and taught by various Ottoman authors, as well as how the discourses on "true" faith and "correct" practice were embedded in various strands of the Ottoman debate on moral authority and imperial governance. At the same time, I also study Sunni, Shii, Catholic, Orthodox, and Protestant catechization strategies, as both social and textual practices, shedding light on the dialogue and "borrowing" among various agents of confession-building who were active in the Ottoman Empire.

Recommended Reading

Krstic, Tijana. "State and Religion, 'Sunnitization' and 'Confessionalism' in Süleyman's Time." In The Battle for Central Europe: The Siege of Szigetvár and the Death of Süleyman the Magnificent and Miklós Zrínyi (1566), edited by Pál Fodor, 65-91. Leiden: Brill, 2019.
-. Contested Conversions to Islam: Narratives of Religious Change in the Early Modern Ottoman Empire. Stanford: Stanford University Press, 2011.
-. "Illuminated by the Light of Islam and the Glory of the Ottoman Sultanate: Self-Narratives of Conversion to Islam in the Age of Confessionalization." Comparative Studies in Society and History 51, 1 (January 2009): 35-63.

Dienstagskolloquium , 21.01.2020

Sunnitische Religionsunterweisung im Zeitalter der konfessionellen Polarisierung (1540er-1740er Jahre): Die Untersuchung osmanischer Katechismen als Zugang zu einer globalen Konstellation der Frühen Neuzeit

Neuere Studien zum Begriff der "Frühen Neuzeit" zeigen einen lockeren Konsens hinsichtlich einer Reihe von Entwicklungen nach 1400, die die Periode bis etwa 1800 in globalem Maßstab als ein eigenständiges historisches Zeitalter definieren. Zu den damaligen Entwicklungen gehörte eine erheblich größere Mobilität und Anbindung aufgrund von Schiffsreisen, die zum ersten Mal den Atlantik, den Pazifik und den Indischen Ozean miteinander verbanden; dazu kamen die Beschleunigung der Bürokratisierung und die administrative Zentralisierung frühneuzeitlicher Staaten, die Monetarisierung und eine zunehmende Marktspezialisierung, Urbanisierung, steigende Alphabetisierungsquoten und zunehmende Textualität, die mit einer Verschriftlichung der Landessprachen einherging, die Verbreitung militärischer Technik etc. Doch selten werden auch Aspekte der Religion in diesen Kriterienkatalog aufgenommen.

In dem Projekt, an dem ich mit einem Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in den letzten fünf Jahren gearbeitet habe (OTTOCONFESSION, ERC Consolidator Grant, #648498), vertreten wir die These, dass es einen breiten religionspolitischen Trend gab, eine Konstellation, die wir als "Zeitalter der konfessionellen Polarisierung" bezeichnen. Die Ideen religiöser Reformen und Erneuerungen führten zu neuen Auffassungen von Gemeinschaft und Souveränität, die ihrerseits die Prozesse konfessioneller Polarisierung in großen Teilen Eurasiens nährten, einschließlich des Habsburger Reichs, des Osmanischen Reichs und des Safawidenreichs. Diese Konstellation entsprang verschiedenen miteinander verschränkten Dynamiken, die mit synchronen Aufbauprozessen von sesshaften, dynastischen und bürokratischen Reichen zu tun hatten; diese traten mit universalistischen und messianischen Ansprüchen auf. Dazu kam der Wettbewerb zwischen diesen Reichen, der in gemeinsamen politischen Theologien gründete, eine die verschiedenen Reiche übergreifende Bewegung bestimmter Gruppen und Individuen in diesem Zeitalter zunehmender Mobilität und Anbindung und die Vergleiche und Vergleichbarkeiten, dadurch möglich worden.

In meinem Vortrag konzentriere ich mich auf diese globale religionspolitische Konstellation, die sich im Osmanischen Reich manifestierte; dort verursachten die Erfordernisse des Reichsaufbaus eine Verschiebung – von einem Zustand, den Forscher als Mehrdeutigkeit im Verhältnis zwischen Schiitentum und Sunnitentum beschreiben, hin zu einem wachsenden Interesse an der Definition und Durchsetzung einer sunnitischen Orthodoxie und der Verfolgung von abweichenden Meinungen. Dies initiierte ein Zeitalter der konfessionellen und territorialen Polarisierung zwischen Sunnitentum und Schiitentum, das die Region bis heute entscheidend prägt. Was war das Wesen dieser sunnitischen Orthodoxie und wie wurde sie artikuliert, gelehrt, durchgesetzt, wie eignete man sie sich an und wie leistete man Widerstand gegen sie? Auf diese Fragen möchte ich Antworten skizzieren, die auf der Analyse religiöser Lehrbücher oder Katechismen (ilmihal) beruhen. Diese Schriften stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert und wurden auf osmanischem Türkisch von Muslimen verfasst, die aus verschiedenen Gesellschafts- und Bildungshintergründen aus dem Land von Rum (die osmanischen Balkangebiete und Anatolien) stammten. Zusätzlich zur diachronen Situierung der osmanischen Katechismen - mit Blick auf die islamische Tradition und auf die Fragen nach Kontinuität und Wandel - möchte ich sie auch zeitgenössischen christlichen Katechismen gegenüberstellen, die im osmanischen Recht zirkulierten. Damit will ich erörtern, wie sie sich in eine synchrone konfessionsübergreifende Perspektive auf den Unterricht der Glaubensgrundlagen im Zeitalter konfessioneller Polarisierung einpassen lassen.

Im letzten Teil meines Vortrags möchte ich vom Inhalt dieser Texte absehen und mich mit den Manuskripten befassen, in denen sie heute vorliegen; dabei formuliere ich einige vorläufige Überlegungen zur Frage, welche Erkenntnisse Manuskripte als Medium zur Erforschung dieser transregionalen und religionsübergreifenden frühneuzeitlichen Konstellation bieten können. Ich hoffe, diesen Aspekt in meiner Analyse während meiner restlichen Zeit am Wissenschaftskolleg weiter vertiefen zu können.


Publikationen aus der Fellowbibliothek

Krstic, Tijana ( Leiden, Boston, 2019)
State and religion, "sunnitization" and "confessionallism" in Süleyman's time

Krstic, Tijana ( Edinburgh, 2017)
From Shahāda to 'Aqīda : conversion to Islam, catechisation and sunnitisation in sixteenth-century Ottoman Rumeli

Krstic, Tijana ( Stanford, Calif., 2011)
Contested conversions to Islam : narratives of religious change in the early modern Ottoman Empire Religion/Middle East studies

Krstic, Tijana ( New York, NY [u.a.], 2009)
Illuminated by the light of Islam and the glory of the Ottoman sultanate : self-narratives of conversion to Islam in the age of confessionalization


Vortrag14.01.2020

The Fashioning of a Sunni Orthodoxy and the Entangeled Histories of Confession-Building in the Ottoman Empire, 15th-18th Centuries

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Dienstagskolloquium21.01.2020

Teaching Sunni Islam in the Age of Confessional Polarization (1540s-1740s): Ottoman Catechisms as a Lens on an Early Modern Global Conjuncture

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