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2019/2020

Michael Mousa Karayanni, LL.D., S.J.D.

Bruce W. Wayne Professor of Law

The Hebrew University of Jerusalem

Born in 1964 in Kafr Yasif, Israel
Studied Law at the University of Pennsylvania Law School, The Hebrew University of Jerusalem, George Washington University National Law Center, and Bar-Ilan University, Ramat-Gan


Arbeitsvorhaben

A Multicultural Entrapment: Religion and State Among the Palestinian Arabs in Israel

In the nation state structure that assumes an official status for the majority religion, as is the case in Israel, there is a dominant constitutional force deeming the jurisdiction of minority religions a form of multicultural "accommodation". This accommodation, in turn, gives rise to a unique, acute, undetected and heretofore unstudied individual predicament for vulnerable minority members who are subject to the patriarchal religious norms of their respective religions. This is the "multicultural entrapment" that emerges, first, in light of the substantive jurisdictional authority held by the minority religious communities. Second, the Israeli nation state structure actively boxes individuals in their respective religious identities, thus severely limiting the civic sphere that seeks to compete for the well-being of all citizens alike and to offer an alternative to which minority members can at least opt out to. Moreover, evaluated in reference to what I call "multicultural qualifications", the religious jurisdictional authority of the Palestinian Arab minority does not qualify as multicultural, but is in fact a control mechanism. Nonetheless, institutional interests, including those of minority leadership, work to mask this jurisdictional authority as a liberal minority accommodation. Identifying the individual predicament that results from religious jurisdiction over individual personal status as a multicultural entrapment enhances the prospects of offering mechanisms to alleviate it. By addressing this multicultural entrapment, the proposed project departs from the existing discussion, as it focuses on individual predicaments of religious minority members in the context of a nation state, rather than in the usual context of a Western liberal democracy; and it departs from the discussion of religious minorities in nation states by exposing oppression as a consequence of over-accommodation, rather than in the usual context of under-accommodation.

Recommended Reading

Karayanni, Michael. "Multiculturalism as Covering: On the Accommodation of Minority Religions in Israel." The American Journal of Comparative Law (16 November 2018). doi.org/10.1093/ajcl/avy039.
-. Conflicts in a Conflict: a Conflict of Laws Case Study on Israel and the Palestinian Territories. Oxford et al.: Oxford University Press, 2014.
-. "Groups in Context: An Ontology of a Muslim Headscarf in a Nazareth Catholic School and a Sephardic Ultra-Orthodox Student in Immanuel." Law & Social Inquiry 41, 4 (2016): 789-1115.

Dienstagskolloquium , 24.09.2019

Eine multikulturelle Falle: Religion und Staat bei den palästinensischen Arabern in Israel

Mein Vortrag beginnt mit der Frage nach der israelischen Diskussion um Religion und Staat - eine Diskussion, die jüdisch zentriert ist, insbesondere wenn es um die Halacha (das jüdische Gesetz) in Angelegenheiten des Personenstands geht. Dies mag ziemlich seltsam erscheinen - in Anbetracht der Tatsache, dass diese Probleme, die auch den Staat und die religiösen Minderheiten betreffen, in vielen anderen Länder der Welt im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Mehr als 20 Prozent der Bevölkerung in Israel ist nicht jüdisch, sie sind Muslime, Christen, Drusen und haben ihre eigenen religiösen Gesetze, die die Personenstandsangelegenheiten ihrer Mitglieder regeln. Ich stelle eine These auf, mit der ich dieses israelische Phänomen erkläre - die Diskussion um Religion und Staat in diesem und vielleicht auch anderen Ländern wird von unterschiedlichen Werten gekennzeichnet. Ich nenne dies die These von der Janusköpfigkeit: Der jüdische Glauben und der israelische Staat werden von zwei unterschiedlichen Werten geprägt - das Judentum ist die offizielle Staatsreligion, dennoch hält man die Anerkennung, die den religiösen Institutionen des Judentums, insbesondere den Rabbinatsgerichten, gewährt wird, für illiberal (das Paradigma "öffentlich-illiberal"); dagegen ist die palästinensisch-arabische Religion und ihr Staat von zwei Werten geprägt, die diesem Paradigma diametral entgegengesetzt sind, denn die palästinensisch-arabischen Religionen sind nicht offiziell (privat), doch es gilt als liberal, wenn ihren religiösen Institutionen Anerkennung gewährt wird (das Paradigma "privat-liberal"). Diese These von der Janusköpfigkeit benennt ein eigenartiges Dilemma, in dem sich palästinensisch-arabische Personen befinden: es bleibt nicht viel Liberalismus übrig, der sie gegen Übergriffe durch patriarchale religiöse Normen vonseiten ihrer religiösen Gemeinschaften schützt. Doch angesichts der Tatsache, dass ihr religiöses Rechtssystem nicht liberal (multikulturell) ist, auch wenn es so dargestellt wird, sitzen sie aufgrund dieses Dilemmas eigentlich in der Falle.

Mein Projekt schlägt in vier Aspekten eine neue Richtung ein. Erstens eröffnet es ein neues Kapitel in der israelischen Diskussion um Religion und Staat, in dem man die palästinensisch-arabische Minderheit einschließt anstatt sie wie bisher tendenziell auszuschließen. Zweitens schlägt das Projekt hinsichtlich der Praxis des Multikulturalismus als einer normativen Theorie eine neue Richtung ein, da es sich auf die Beziehungen zwischen Minderheiten und Mehrheit in einem Nationalstaat konzentriert - und nicht im üblichen Kontext einer westlichen Demokratie. Wenn also die Akzeptanz religiöser Minderheiten im Westen mit Blick auf das Dilemma des Multikulturalismus Anlass zur Sorge ist, auch wenn diese Akzeptanz nur geringfügig bis nicht vorhanden ist, dann ruft die substanziellere Eingliederung von religiösen Minderheiten in Nationalstaaten notwendigerweise eine schärfere Form dieses Dilemmas auf den Plan, die noch nicht angemessen diagnostiziert worden ist. Drittens möchte ich den Begriff der "multikulturellen Falle" einführen. Was zunächst als multikulturelle Akzeptanz einer Minderheitengruppe erscheint, erweist sich als Kontroll- und Herrschaftsmechanismus des Staats in Bezug auf diese Minderheit. Dieses Gefangensein in der Falle besteht hauptsächlich deswegen fort, weil sowohl der Staat als auch die Minderheit es rechtlich gesehen "zu peinlich" finden, wenn sie zugeben müssten, dass sie den verschiedenen Identitäten Handlungsspielräume entziehen wollen. Indem ich viertens diese multikulturelle Falle offenlege, möchte ich nicht nur eine weitere Form der Unterdrückung von Minderheiten im Nationalstaat aufdecken - entscheidend ist hier, dass diese Unterdrückung aus der "Überakzeptanz" einer Minderheitengruppe resultiert, und sich damit von der üblichen und zweifellos immer noch andauernden "Unterakzeptanz" unterscheidet. Indem ich diese multikulturelle Falle offenlege, vertrete ich die These, dass die Verletzung von Minderheitenrechten in Nationalstaaten vielmehr aus der Überakzeptanz von Minderheiten resultieren kann denn aus der Unterakzeptanz. Schließlich möchte ich mich der Aufgabe stellen, einige Maßnahmen vorzuschlagen, wie man das multikulturelle Gefangensein entschärfen kann - im Interesse vulnerabler palästinensischer Araber.


Publikationen aus der Fellowbibliothek

Karayanni, Michael Mousa ( Cary, NC, 2018)
Multiculturalism as covering : on the accommodation of minority religions in Israel

Karayanni, Michael Mousa ( Malden, Mass., 2016)
Groups in context : an ontology of a Muslim headscarf in a Nazareth Catholic school and a Sephardic ultra‐orthodox student in Immanuel

Karayanni, Michael Mousa ( Oxford, 2012)
Two concepts of group rights for the Palestinian-Arab minority under Israel's constitutional definition as a “Jewish and democratic” state

Karayanni, Michael Mousa ( Buffalo, NY, 2010)
In the best interests of the group : religious matching under Israeli adoption law


Dienstagskolloquium24.09.2019

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Vortrag15.10.2019

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