© Astrid Eckert

2017/2018

Lisa Herzog , D.Phil.

Professor of Political Philosophy and Theory

Hochschule für Politik an der Technischen Universität München

Born in 1983 in Nuremberg
Studied Economics, Philosophy, and History at Ludwig-Maximilians-Universität München and Political Theory at the University of Oxford

Foto: Astrid Eckert


Arbeitsvorhaben

The Order of Knowledge and the Division of Moral Labor

Human morality is socially embedded: Depending on their social context, individuals have different moral duties. This "division of moral labor" finds expression in different social roles with different responsibilities, the distinction between "negative" and "positive" duties, and the differentiation between the fulfillment of duties and supererogation. Traditionally, many thinkers have argued that our most important moral duties are toward those who are close to us, because we know most about their situation and they are most vulnerable to our actions or omissions.
Two developments have, arguably, upset the tradition fabric of divided moral labor. Globalization has reduced the power of nation states, which had played an important role as moral "providers of last resort", and has created causal ties that span the globe. Digitalization has turned the order of knowledge upside down: the costs of sharing information have fallen dramatically, and new struggles for sovereignty over information have begun.
In my project, I want to explore how to conceive of the division of moral labor under these new circumstances. One focus will be on exploring whether insights from the social sciences and economics on the causes of the (non-moral) division of labor, e.g. economies of scale and the role of transaction costs, can enlighten philosophical thinking. A second focus will be on the order of knowledge in the digitalized age and its relation to the division of moral labor. Knowledge is power, as Bacon said, but is knowledge also moral responsibility? My hypothesis here is that we need to fundamentally rethink the responsibility for, and the privileges connected to, knowledge, in order to prevent a situation in which socially useful knowledge is "privatized", while knowledge that brings responsibilities is "socialized".

Recommended Reading

Herzog, Lisa. "Gibt es eine Macht der Reflexion in der Welt der Wirtschaft?" In Macht und Reflexion, edited by Heiner Hastedt, 165-182. Hamburg: Felix Meiner, 2016 (= Deutsches Jahrbuch Philosophie 6).
-. "The Normative Stakes of Economic Growth: Why Adam Smith Does Not Rely on "Trickle Down"." Journal of Politics 78, 1 (2016): 50-62.
-. Inventing the Market: Smith, Hegel, and Political Theory. Oxford: Oxford University Press, 2013.

Dienstagskolloquium , 12.06.2018

Alte Fakten, neue Anfänge? Arendtianische Überlegungen zu Wissen, Algorithmen und Politik

In diesem Kolloquium umreiße ich zunächst die allgemeinen Konturen, die eine "politische Theorie des Wissens" haben müsste. In den vergangenen Jahren ließen sich eine Reihe beunruhigender Phänomene beobachten, die zeigen, dass wir die Rolle von Wissensansprüchen in Politik und Gesellschaft nicht als gegeben betrachten können. In Themengebieten wie z.B. dem Klimawandel wird wissenschaftliche Evidenz durch mächtige Interessensgruppen systematisch in Zweifel gezogen; der öffentliche Diskurs ist polarisiert und stark von Fehlinformationen ("fake news") geprägt. Populistische Politiker wie z.B. der "Brexiteer" Michael Gove behaupten, "die Leute haben genug von Experten". Die politischen Dimensionen von Wissen wurden in der politischen Theorie lange nur implizit behandelt, möglicherweise aufgrund einer optimistischen Annahme, dass sich auf dem "Marktplatz der Ideen" immer die Wahrheit durchsetzen würde. Eine "politische Theorie des Wissens" muss die politischen Bedingungen, Kontexte und Folgen von Wissensansprüchen explizit reflektieren.

Doch ein Projekt, dass sich mit der Verantwortung von Expertinnen und Experten, dem Versagen der Wissenschaftskommunikation oder der Notwendigkeit einer „epistemischen Infrastruktur“ von Märkten befasst, mag hoffnungslos altmodisch erscheinen in einer Zeit, in der vielfach behauptet wird, dass Algorithmen uns zahlreiche Entscheidungen abnehmen werden, auf Gebieten, die von Einkaufsempfehlungen über Bewährungsentscheidungen bis hin zu Priorisierungsentscheidungen im Gesundheitswesen reichen. Daher muss sich eine "politische Theorie des Wissens" auch mit diesen neuen Herausforderungen beschäftigen. Wie Joseph Weizenbaum, einer der Pioniere der Künstlichen-Intelligenz-Forschung, schrieb: "Die Frage, welche Aufgaben wir an einen Computer delegieren können, ist letztlich die Frage, was wir einen Computer wissen lassen können" (1976, 72, meine Übersetzung).

Im zweiten, spezielleren Teil meines Vortrags wende ich mich deshalb der Frage zu, wie Algorithmen Entscheidungen treffen. Um wesentliche Eigenschaften algorithmischer Prozesse hervorzuheben, kontrastiere ich sie mit drei Schlüsselelementen - Pluralität, Natalität, Urteilskraft - im Denken Hannah Arendts. Indem ich Arendt etwas gegen den Strich lese, argumentiere ich, dass "Arendtsche Praktiken", in denen Menschen zusammenkommen, Argumente austauschen, Urteile bilden und Neues beginnen, nicht nur in der politischen Sphäre, sondern in zahlreichen sozialen Sphären zu finden sind. Wenn algorithmische Entscheidungsprozesse jedoch in mehr und mehr Lebensbereiche vordringen, könnten die Räume für solche "Arendtschen Praktiken" schrumpfen. Außerdem besteht die Gefahr, dass Algorithmen mit Entscheidungen beauftragt werden, für die sie ungeeignet sind. Die Reflexion des Kontrasts zu Arendts politischem Denken kann dazu beitragen, Kriterien dafür zu entwickeln, in welchen Bereichen algorithmisches Entscheiden sinnvoll ist und in welchen Bereichen die Entscheidungsfindung in menschlicher Hand bleiben sollte.


Publikationen aus der Fellowbibliothek

Herzog, Lisa ( 2018)
Markt oder Profession? : die Politik zweier Wissenslogiken

Herzog, Lisa ( Oxford, 2017)
Just financial markets? : finance in a just society

Herzog, Lisa ( Oxford, 2016)
Inventing the market : Smith, Hegel, and political theory

Herzog, Lisa ( Berlin, 2016)
Schriften zur Ökonomie und Soziologie Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft ; 2112

Herzog, Lisa ( Berlin, 2014)
Der Wert des Marktes : ein ökonomisch-philosophischer Diskurs vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft ; 2065

Herzog, Lisa ( 2013)
Markets

Herzog, Lisa ( 2013)
Virtues, interests and institutions, or : ordinary and heroic virtues

Herzog, Lisa ( 2013)
Persönliches Vertrauen, Rechtsvertrauen, Systemvertrauen

Herzog, Lisa ( München, 2013)
Freiheit gehört nicht nur den Reichen - Plädoyer für einen zeitgemäßen Liberalismus C.-H.-Beck Paperback ; 6127

Herzog, Lisa ( Basingstoke, 2013)
Hegel's thought in Europe : currents, crosscurrents and undercurrents



Lectures on Film 24.01.2018

Lisa Herzog
Markt oder Profession? Die Politik zweier Wissenslogiken

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Podiumsdiskussion23.11.2017

Die digitale Revolution und die Zukunft unserer Gesellschaft

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Abendkolloquium24.01.2018

Markt oder Profession? Die Politik zweier Wissenslogiken

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Workshop01.02.2018

Democracy in the Enterprise

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Workshop02.02.2018

Democracy in the Enterprise

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Diskussion28.05.2018

What's left: Was bleibt von der linken Utopie?

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Dienstagskolloquium - Arbeitsbericht12.06.2018

Old Facts, New Beginnings? Thinking with Arendt about Knowledge, Algorithms, and Politics

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