© Vincent Leifer

2017/2018

Marion Albers , Dr. iur.

Professorin für Öffentliches Recht, Informations- und Kommunikationsrecht, Gesundheitsrecht und Rechtstheorie

Universität Hamburg

Geboren 1961 in Dortmund
Studium der Rechtswissenschaft, Soziologie und Politologie an der Freien Universität Berlin und der Universität Bielefeld


Arbeitsvorhaben

Sozialität in der Grundrechtsdogmatik

Grundrechte sind Rechte des Individuums gegen den Staat, vor allem Rechte auf Unterlassung staatlicher Eingriffe in geschützte Freiheiten. So lauten gängige Beschreibungen. In der Grundrechtsdogmatik, also in den Begriffen, Bausteinen und Strukturen, mit denen Gesetzgebung, Rechtsprechung oder Wissenschaft arbeiten, sind diese Beschreibungen fest verankert. Die vermeintlich gesicherten Grundlagen stützen sich jedoch auf Hintergrundkonzeptionen und Voraussetzungen, die inzwischen brüchig geworden sind und nicht länger als gemeinsam geteilter Ausgangspunkt zugrunde gelegt werden können. Dass sich Grundrechtsnormen nicht lediglich negatorisch gegen staatliche Eingriffe wenden, sondern auch andere Gewährleistungsdimensionen einschließen und Rechte auf Teilhabe oder Schutz vermitteln können, ist mittlerweile breit anerkannt. Als Grundlagenproblem taucht aber darüber hinaus die selten erörterte Frage auf, ob Grundrechtsnormen allein Rechte des Individuums verankern oder ob und inwiefern man bei der Interpretation ihrer Gewährleistungsinhalte transindividuelle Dimensionen mitdenken muss. "Sozialität" steht bislang im Schatten der Grundrechtsdogmatik. Deswegen bleibt vage und zufällig, an welcher Stelle und wie Sozialität, soziale Institutionen oder soziale Systeme in der Grundrechtsdogmatik welche Rolle spielen und wie sich dies auswirkt. Das Projekt wird zum einen denkbare Ansätze aus einer Metaperspektive analysieren, differenzieren und systematisieren. Zum anderen wird es mit Blick auf aktuelle Probleme und hier vor allem mit Blick auf die Kommunikationsfreiheiten unter den Bedingungen des Internets veranschaulichen, wie Sozialität im Rahmen der Konkretisierung grundrechtlicher Gewährleistungsinhalte eingebracht werden kann. Neben Grundrechten des Grundgesetzes wird es die immer wichtiger werdenden Rechte der Europäischen Menschenrechtskonvention und der EU-Charta einbeziehen. Ziel ist es, einen Beitrag zur angemessenen Verankerung der Sozialität in der Grundrechtsdogmatik zu leisten.

Lektüreempfehlung
Albers, Marion. "Biotechnologies and Human Dignity." In Human Dignity in Context: Explorations of a Contested Concept, herausgegeben von Dieter Grimm, Alexandra Kemmerer und Christoph Möllers. Baden-Baden: Nomos, 2017.
-. Informationelle Selbstbestimmung. Baden-Baden: Nomos, 2005.
-. "Faktische Grundrechtsbeeinträchtigungen als Schutzbereichsproblem." DVBl Deutsches Verwaltungsblatt 1996: 233-242.

Dienstagskolloquium , 19.04.2018

The Crisis of Meaning in the Global Era

It has become commonplace to speak of a crisis of the liberal order and that structures of order and meaning are disintegrating, and both phenomena are often associated with globalization. In the last decade I have worked on a model that could explain one aspect of the connection between globalization and the crisis of meaning ("The Fear of Insignificance", 2011). I have applied it to Middle Eastern politics ("Israel: Einführung in ein schwieriges Land", 2011), trying to show how both religious fundamentalism and ethno-nationalism are reactions to globalization, which is seen as a threat to existing meaning systems (religions, national cohesion, etc.).

My project at the Wissenschaftskolleg is to extend my investigation of the social and political class that could be called "The New Cosmopolitans", who try to maintain an identity that is not primarily defined by ethnicity, religion, or nationality, but by a cosmopolitan ethos supposed to bind humanity together. This project, originated by Kant, is currently experiencing a severe crisis. It seems that it is almost impossible to maintain a state of mind in which we see ourselves as world citizens, given our evolutionary inheritance, which is xenophobic, racist, and by no means universalist ("Freud’s Legacy in the Global Era", 2016).

I will first present the general model, based on current empirical existential psychology and some of its applications. Then I will talk about the difficult position of the New Cosmopolitans (Wiko Fellows are a rather typical example...). We are often not perceived as benefactors of humanity, but as "detached elites", profiteers of globalization devoid of national attachment and loyalty. This makes us politically ineffective and creates a personal and collective sense of futility, and I will present some ideas how we can live with this political and existential difficulty.


Publikationen aus der Fellowbibliothek

Albers, Marion ( Baden-Baden, 2015)
Globales Recht und Terrorismusfinanzierungsbekämpfung Schriften der Albrecht Mendelssohn Bartholdy Graduate School of Law ; 2

Albers, Marion ( 2014)
Enhancement, human nature, and human rights Human rights and human nature

Albers, Marion ( Dordrecht [u.a.], 2014)
Human rights and human nature Ius Gentium ; 35

Albers, Marion ( 2011)
Höchstrichterliche Rechtsfindung und Auslegung gerichtlicher Entscheidungen

Albers, Marion ( München, 2008)
Grundlagen des Verwaltungsrechts ; 2 ; Informationsordnung, Verwaltungsverfahren, Handlungsformen Grundlagen des Verwaltungsrechts ; 2.

Albers, Marion ( 1996)
Faktische Grundrechtsbeeinträchtigungen als Schiutzbereichsproblem


Workshop14.06.2018

Datenschutzinteressen in der Informationsgesellschaft

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Workshop15.06.2018

Datenschutzinteressen in der Informationsgesellschaft

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Dienstagskolloquium - Arbeitsbericht03.07.2018

Dienstagskolloquium - Arbeitsbericht, Tuesday Colloquium - Work in Progress

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