2016/2017

Giacomo Todeschini , Dr.

Professor of History

Universität Triest

Born in 1950 in Milan
Studied Humanities and Medieval History at the Università di Bologna


Arbeitsvorhaben

The Naturalization of Economic Discourse: Organic Metaphors of Development and Economics as the Product of Natural Laws (14th-18th Century)

On the basis of my previous research on western Christian economic lexica and the gradual formation of a medieval and early modern economic discourse that produces political criteria of inclusion in and exclusion from cities and states, the aim of my present research project is to analyse how organic metaphors of economic development, which are typical of the theological/economic doctrines and public rhetorics between the 12th and 15th centuries, were introjected and metabolized by modern economics and modern economic thinkers. In this light, the birth of so-called scientific economics in the age of the mercantilist shaping of different kinds of European financial policies (16th-18th century), can be reinterpreted as the rearrangement and synthesis of the traditional economic discourse performed by late-medieval and early modern Scholastics, hiding and apparently neutralizing the explicit political core contained by that previous "medieval" discourse. From this linguistic and genealogical perspective, the logic and structural shape of modern economics and economic representations can appear inextricably linked to the late-medieval and modern increase of financial, political and doctrinal rules representing economic inequalities as the outcome of natural laws.

Recommended Reading

Todeschini, Giacomo. La banca e il ghetto: Una storia italiana. Rome-Bari: Laterza, 2016.
-. Visibilmente crudeli: Malviventi, persone sospette e gente qualunque dal Medioevo all'età moderna. Bologna: Il Mulino, 2007 (French translation, 2015).
-. I mercanti e il tempio: La società cristiana e il circolo virtuoso della ricchezza fra Medioevo ed età moderna. Bologna: Il Mulino, 2002 (French translation in print).

Dienstagskolloquium , 09.05.2017

Theologische und metaphorische Komponenten der modernen exklusorischen Wirtschaftswissenschaften (aus einem nicht evolutionären Blickwinkel)

Historiker des ökonomischen Denkens und Wirtschaftswissenschaftlerinnen beschreiben das heutige ökonomische Denken und die gegenwärtigen Wirtschaftswissenschaften, die dieses Denken in wissenschaftliche Begriffe übersetzen sollen, nicht nur als Ergebnis der Entwicklung des rationalen Denkens in Europa, sondern gleichermaßen auch als Ergebnis der Modernisierung/Säkularisierung des vormodernen (d. h. "mittelalterlichen") ökonomischen Denkens. Die Entwicklung der westlichen ökonomischen Rationalität wurde als Überwindung der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Ökonomie aus vielen verschieden Perspektiven gedacht und dargestellt. Insgesamt kann man diese verschiedenen Perspektiven hinsichtlich ihrer Methoden in zwei Hauptgruppen einteilen. Die erste Gruppe, die vor allem durch Joseph Schumpeter repräsentiert wird, stellt die westlich-christliche und europäische ökonomische Rationalität als Ergebnis einer allmählichen Verbesserung im Verständnis der ökonomischen Gesetzmäßigkeiten dar; dies beginnt im Mittelalter und beschleunigt sich im 16. und 17. Jahrhundert aufgrund von vielen verschiedenen wissenschaftlichen Entdeckungen - von den Anziehungskräften der Gravitation bis hin zum Blutkreislauf. Dieser Auffassung nach haben manche mittelalterliche Gelehrte einige ökonomische Grundprinzipien auf verschwommene Weise erfasst, die man erst später gänzlich verstand und die dann ab Ende des 18. Jahrhunderts von klassischen und neoklassischen Ökonomen logisch bewiesen und strukturiert werden. Im Gegensatz dazu trifft die zweite Gruppe eine genaue Unterscheidung zwischen den mutmaßlichen mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Missverständnissen in Bezug auf die Ökonomie einerseits, die sowohl von der fehlenden Marktlogik in der Vormoderne als auch von vorindustriellen Produktionsweisen abhängen, und der modernen bzw. zeitgenössischen Ausprägung der Wirtschaftswissenschaften im 18. - 20. Jahrhundert andererseits, die unmittelbar mit einem neuen, von der industriellen Revolution hergeleiteten Verständnis der ökonomischen Gesetzmäßigkeiten verbunden ist.

Nach einer Vorstellung und Erörterung dieser beiden historiografischen und methodischen Tendenzen sowie einiger innovativer sprachlicher und sozialhistorischer Ansätze zum Verständnis dessen, was die Modernisierung der Ökonomie in politischer und semantischer Hinsicht wirklich bedeutet, möchte ich eine weitere mögliche Interpretation und Dekodierung der ökonomischen Sprachen in Europa zwischen dem Mittelalter und der Moderne (15. - 18. Jahrhundert) vorschlagen. Diese alternative Perspektive ermöglicht es, die Ausprägung einiger Aspekte der modernen Ökonomie (und der ökonomischen Modernisierung des Westens) zu entschlüsseln, und zwar als Ergebnis der modernen Übernahme und systematischen Implementierung der vormodernen sprachlich-politischen Komponenten der Ökonomie. Diese werden aus der Vormoderne (13. - 15. Jahrhundert) in die Moderne (16. - 19. Jahrhundert) überliefert - als Metaphern, Bilder und Allegorien, die ökonomische Asymmetrien, ungleiche ökonomische Chancen und soziale Unterschiede so darstellen, als seien sie ein organisches Gleichgewicht, das auf der Ordnung der Natur beruht. Tatsächlich wird dieses metaphorische System ökonomischer Vorstellungen, das ursprünglich in eine theologische Begriffssyntax eingebettet ist, in eine Sprache übersetzt, die ökonomische Metaphern in ökonomische Regeln verwandelt und gleichzeitig deren explizite historische und politische Bedeutung verbirgt. Das ökonomische Imaginäre der Vormoderne kann dann wieder zum Vorschein kommen und reaktiviert werden, und zwar in Form einer ökonomischen Rhetorik, in der soziale Ungleichheit und ökonomische Asymmetrien als natürliche und notwendige Nebenprodukte einer rational verifizierbaren Wirtschaftsordnung dargestellt werden.


Publikationen aus der Fellowbibliothek

Todeschini, Giacomo ( Roma, 2018)
Gli ebrei nell'Italia medievale Frecce ; 253

Todeschini, Giacomo ( Paris, 2017)
Les marchands et le temple : la société chrétienne et le cercle vertueux de la richesse du Moyen Âge à l'Époque moderne I mercanti e il tempio

Todeschini, Giacomo ( Roma, 2016)
La banca e il ghetto : una storia italiana (secoli XIV-XVI) Storia e società

Todeschini, Giacomo ( 2015)
Servitude et travail à la fin du Moyen Âge : la dévalorisation des salariés et les pauvres « peu méritants »

Todeschini, Giacomo ( 2015)
The origin of a medival anti-Jewish stereotype : the Jews as receivers of stolen goods (twelth to thirteenth ceunturies)

Todeschini, Giacomo ( Lagrasse, 2015)
Au pays des sans-nom : gens de mauvaise vie, personnes suspectes ou ordinaires du Moyen Age à l'époque moderne Histoire

Todeschini, Giacomo ( 2013)
Credit and debt : patterns of exchange in western Christian society

Todeschini, Giacomo ( 2012)
Usury in Christian Middle Ages : a reconsideration of the historiographical tradition (1949-2010)$nGiacomo Tedeschini

Todeschini, Giacomo ( 2010)
The incivility of Judas : "manifest" usury as a metaphor for the "infamy of fact" (infamia facti)

Todeschini, Giacomo ( Saint Bonaventure, New York, 2009)
Franciscan wealth : from voluntary poverty to market society Ricchezza francescana





Workshop 27.04.2017

Soon 50 Years Reforming Social Protection Systems: What Future for Public Provision?

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