2015/2016

Gertrude Lübbe-Wolff , Dr. iur., LL.M. (Harvard)

Professor of Public Law

Universität Bielefeld

Former Judge of the Federal Constitutional Court

Born in 1953 in Weitensfeld, Carinthia, Austria
Studied Public Law, Legal Philosophy, and Modern Constitutional History at the Universities of Bielefeld and Freiburg i. Br., and at Harvard Law School

Foto: Sarah Moos, bielefeld fotografie


Arbeitsvorhaben

Cultures of Deliberation in Apex Courts

Cultures of deliberation in apex courts, national and transnational, differ in many respects. Deliberations are prepared in quite different ways and with different degrees of thoroughness. Different courts take different amounts of time for deliberation among the judges. Some courts deliberate in public while the great majority have confidential deliberations. In many courts, judges discuss in the presence of clerks or registrars; in many others, only the judges are allowed to be present. Some courts deliberate in a very consensus-oriented manner, with elements of compromise in the decision-making process, others don't. Some courts seem more or less split into political (including ethnic or religious) factions, others seem to operate in a less politicized, more integrative manner.
The project will explore such differences in a more systematic way than has been done, so far, with a particular view to identifying aspects of the institutional framework that are likely to help prevent political polarization and to contribute to constructive deliberation. This will include comparing rules and traditions concerning the composition of courts and the recruitment of judges, the role and powers of presidents, the role of non-judicial court personnel, the internal process of decisionmaking, including rules for deliberation and voting, the admissibility of separate judicial opinions etc. Besides analyses of the relevant literature, interviews with judges will help to understand how these and other framework conditions bear upon the functionality of judicial deliberation.

Recommended Reading

Lübbe-Wolff, Gertrude. Die Grundrechte als Eingriffsabwehrrechte. Baden-Baden: Nomos, 1988 (online at Leibniz Publik).
-. "Die Aktualität der Hegelschen Rechtsphilosophie." In Gestalten des Bewußtseins: Genealogisches Denken im Kontext Hegels, edited by Birgit Sandkaulen, Volker Gerhardt, and Walter Jaeschke, 328-349. Hamburg: Meiner, 2009 (online at Leibniz Publik).
-. "Homogenes Volk - über Homogenitätspostulate und Integration." Zeitschrift für Ausländerrecht und Ausländerpolitik 4 (2007): 121-127 (online at Leibniz Publik).

Dienstagskolloquium , 14.06.2016

Beratungskulturen in der Verfassungsgerichtsbarkeit

Verfassungsgerichte - im weiteren, alle Höchstgerichte mit der Befugnis zur Überprüfung der Verfassungsmäßigkeit von Gesetzen einschließenden Sinn - produzieren ihre Entscheidungen auf sehr unterschiedliche Weise. Das gilt unter anderem für die Art und Weise, in der sie über die zu treffenden Entscheidungen beraten. Beispielsweise nehmen sich die Richter/innen im amerikanischen Supreme Court sehr wenig Zeit für gemeinsame Diskussion. Ein Aufeinanderzugehen findet, wenn überhaupt, dann eher außerhalb der Beratungen statt. Die schriftliche Abfassung der Entscheidungen ist kein Gemeinschaftsunternehmen des Gerichts. Im Gegensatz dazu beraten die Richter/innen des deutschen Bundesverfassungsgerichts sehr ausführlich, deutlich konsensorientierter und durchweg gemeinschaftlich, bis hin zu gemeinsamer Textredaktion.

Wie kommt es zu solchen Unterschieden und was bedeuten sie für die resultierenden Entscheidungen? Ist die Beratung wichtig? Sind einige Gerichte polarisierter (und ihre Urteile polarisierender) als andere, weil sie weniger deliberativ beraten, oder beraten sie weniger deliberativ, weil sie polarisierter sind? Hängen Beratungsintensität und Konsensorientierung zusammen? Ist Konsensorientierung wünschenswert oder sollte besser jeder Richter seine eigene Meinung so klar und konsistent wie möglich ohne Verschleifungen durch Kompromisse äußern? Ist der Kompromiss ein Modus politischer Entscheidungsproduktion, der in der richterlichen Entscheidungspraxis keinen legitimen Platz hat? Wie wirken sich institutionelle Rahmenbedingungen, etwa die Regeln zur Rekrutierung und zum Rechtsstatus von Richtern, zu Transparenz oder Intransparenz der Beratungen, zu Gegenständen und Verfahren der Abstimmung, zur Möglichkeit der Veröffentlichung abweichender Meinungen usw., auf die Beratungskultur des jeweiligen Gerichts aus, und welche Rahmenbedingungen befördern am ehesten eine Beratungskultur, die das rationalisierende Potential der Diskussion aktiviert? Der Vortrag berichtet über die noch nicht abgeschlossene Arbeit an dem Versuch, diese Fragen zu beantworten.


Publikationen aus der Fellowbibliothek

Lübbe-Wolff, Gertrude ( Basel, 2017)
Das Dilemma des Rechts : über Strenge, Milde und Fortschritt im Recht Jacob-Burckhardt-Gespräche auf Castelen ; 32

Lübbe-Wolff, Gertrude ( 2016)
Democracy, separation of powers, and international treaty-making : the example of TTIP

Lübbe-Wolff, Gertrude ( 2016)
Constitutional courts and democracy : facets of an ambivalent relationship

Lübbe-Wolff, Gertrude ( 2016)
Geheimniskrämerei bei TTIP

Lübbe-Wolff, Gertrude ( Baden-Baden, 2016)
Die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zum Strafvollzug und Untersuchungshaftvollzug

Lübbe-Wolff, Gertrude ( Göttingen, 2015)
Wie funktioniert das Bundesverfassungsgericht? Osnabrücker Universitätsreden ; 9

Lübbe-Wolff, Gertrude ( 2014)
The principle of proportionality in the case-law of the German Federal Constitutional Court

Lübbe-Wolff, Gertrude ( 2012)
How can the European Court of Human Rights reinforce the role of national courts in the convention system?

Lübbe-Wolff, Gertrude ( 2011)
The Constitutional Court's relationship to parliament and government

Lübbe-Wolff, Gertrude ( 2011)
Who has the last word? : national and transnational courts : conflict and cooperation







Köpfe und Ideen 2016

Die Evidenz der Urteilskraft

von Hannah Bethke

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