2015/2016

Ina Hartwig , Dr. phil.

Literaturkritik, Freie Mitarbeit u. a. für die Süddeutsche Zeitung und Die Zeit

Frankfurt/Main

Geboren 1963 in Hamburg
Studium der Romanistik und Germanistik an der Université d'Avignon und der Freien Universität Berlin

Foto: Bookster/Stephan Jockel


Arbeitsvorhaben

Gerücht und/oder Wahrheit: der Fall Ingeborg Bachmann

"Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar" lautet ein berühmter Satz Ingeborg Bachmanns. Daran haben sich die Erben ihres Nachlasses allerdings nicht gehalten. Wichtige Teile, darunter der Briefwechsel der Dichterin mit Max Frisch, sind bis auf Weiteres nicht einsehbar. Auch deshalb blühen, spätestens seit ihrem Tod 1973, Gerüchte und Mythen. Nun war Ingeborg Bachmann selbst eine Meisterin der Geheimhaltung; die verschiedenen Sphären und Freundschaften ihres Lebens trennte sie bisweilen streng voneinander. So fällt, um nur ein Beispiel zu nennen, der Name Paul Celan in ihrem umfangreichen Briefwechsel mit Hans Werner Henze niemals - was nur symptomatisch zu lesen ist. Bachmanns biografische Wahrheit stellt, trotz vorhandener biografischer Annäherungen, weiterhin eine Herausforderung dar, schon allein psychologisch. Hinzu kommt die desolate editorische Lage: Eine historisch-kritische Gesamtausgabe existiert bis heute nicht. Dem steht eine reiche, kaum zu überblickende Rezeptionsgeschichte ihres Werks gegenüber. Es ist faszinierend, für welche Interpretationen und Projektionen diese Schriftstellerin einsteht. Mein Arbeitsvorhaben könnte man als "wilde Biografie" bezeichnen in der Tradition der "Biographeme" Roland Barthes'. Überhaupt sympathisiere ich mit einem strukturalistischen Ansatz. Ein einheitliches Narrativ kann nicht das Ziel sein. Stattdessen: Vertiefung in drängende, subjektive Fragestellungen auf der Basis akribischer Recherche und Erforschung von Quellen. Dazu zähle ich die vorhandenen Werkausgaben, Archivalien (soweit zugänglich), die Medien ihrer Zeit (Fotografie, Film, Magazine, Zeitungen) sowie Zeitzeugen. Meine Arbeit über den "Fall" Ingeborg Bachmann ist bestrebt, die spezifische, durchaus beunruhigende Energie dieser Persönlichkeit neu zu fokussieren. Wer war Ingeborg Bachmann? Die Frage führt zu dem zurück, der sie (sich) stellt.

Lektüreempfehlung

Hartwig, Ina. Das Geheimfach ist offen. Frankfurt/Main: Fischer, 2012.

Publikationen aus der Fellowbibliothek

Hartwig, Ina ( Frankfurt am Main, 2017)
Wer war Ingeborg Bachmann? : eine Biographie in Bruchstücken

Hartwig, Ina ( Berlin, 2017)
Die Geträumten : Ingeborg Bachmann und Paul Celan Filmedition Suhrkamp ; 41

Hartwig, Ina ( 2012)
Biographie, kein Spiel

Hartwig, Ina ( 2012)
"Ich hab Dich sehr gern"

Hartwig, Ina ( 2012)
Die Libido brennt

Hartwig, Ina ( 2012)
Arlette und ihr Adorno : die Geliebte und der Philosoph ; eine alte Geschichte, neu erzählt

Hartwig, Ina ( Frankfurt am Main, 2012)
Das Geheimfach ist offen : über Literatur

Hartwig, Ina ( Berlin, 2002)
Die Rückkehr der Biographien Kursbuch ; 148

Hartwig, Ina ( Frankfurt am Main, 1998)
Sexuelle Poetik : Proust, Musil, Genet, Jelinek [Fischer-Taschenbücher] ; 13959




Lectures on Film 09.12.2015

Grausamkeit, Mode und Verzweiflung. Maria Theresia - Ingeborg Bachmann: Über biographisches Schreiben

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Zeitschrift für Ideengeschichte

Kleine Depressionen

Heft X/4 Winter 2016

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