2014/2015

Jan Plamper, Ph.D.

Professor of History

Goldsmiths, University of London

Born in 1970 in Laichingen (Baden-Württemberg)
Studied History at Brandeis University and at the University of California, Berkeley

Foto: Dirk Ballerstaedt


Arbeitsvorhaben

Fear: Soldiers and Emotion in Russia during the First World War

This project envisions the writing of an English-language monograph that centers on three questions. Taking the example of Russia, it first asks how soldiers were conditioned to cope with fear; second how they dealt with fear; and third how they were dealt with when they could not cope and broke down with fear-induced symptoms. For this purpose, it uses a range of sources - from officer handbooks for the training of recruits to military psychiatry and memoirs. While it looks back as far as 1812 and forward as far as the Chechen Wars, its focus is on the early twentieth century, especially the First World War. Significant parts are transnational and feature comparisons with France, Germany, and Great Britain. The project seeks to make a contribution to the relatively new interdisciplinary field of the history of emotions, to the cultural history of military and war, and to Russian history proper. It is also addressed to psychiatrists and experimental psychologists interested in a historical dimension of their own research on fear. Its impact extends beyond academia because of the contemporary relevance of trauma (PTSD) in wars like that in Afghanistan.

Recommended Reading

Plamper, Jan. Geschichte und Gefühl: Grundlagen der Emotionsgeschichte. München: Siedler, 2012.
-. The Stalin Cult: A Study in the Alchemy of Power. New Haven: Yale University Press, 2012.
Jan Plamper and Benjamin Lazier, eds. Fear: Across the Disciplines. Pittsburgh: University of Pittsburgh Press, 2012.

Dienstagskolloquium , 17.02.2015

Angst. Soldaten und Emotion in Russland während des Ersten Weltkriegs

Im Zentrum der Projektvorstellung steht mein Wiko-Buchprojekt in progresso, es werden aber gegen Ende auch zwei weitere Buchprojekte angerissen. Der Schwerpunkt wird auf Fragen liegen, bei deren Beantwortung ich an meine Grenzen gestoßen bin; sollte sich in der Diskussion zeigen, dass diese Grenzen nicht nur meine sind, wird man von Dilemmata sprechen dürfen - und vielleicht gemeinsam angemessene Darstellungsformen andenken können.

Hauptprojekt: Angst. Soldaten und Emotion in Russland während des Ersten Weltkriegs

Diese kurze englischsprachige Monographie steht kurz vor Beginn der Schreibphase. Sie wird in drei Weltkriegsfokussierte Kapitel unterteilt sein, denen ein bis zu den Napoleonischen Kriegen zurückreichendes Kapitel vorangestellt und ein bis zu den Tschetschenienkriegen vorgreifendes Kapitel nachgeschoben wird. Das erste der drei Weltkriegskapitel ist der soldatischen Angstkonditionierung gewidmet, wobei Konditionierung breit verstanden wird und nicht nur die Rekrutenausbildung - den Drill - einbezieht, sondern z.B. auch die Lektüre bzw. das Vorlesen von Kinderliteratur. Das dritte der drei Weltkriegskapitel dreht sich um Militärpsychiatrie, d.h. um einen wissenschaftlichen Diskurs, dessen Gegenstand die Diagnose, Ätiologie und Behandlung von Traumata, und hier v.a. die Angst, war. Die Projektvorstellung nun wird um das dritte, mit dem Arbeitstitel "Erfahrung" überschriebene Weltkriegskapitel kreisen, welches, ausgehend von Angst-Passagen in russischen - bzw. zu Vergleichszwecken herangezogenen britischen, deutschen und französischen - Memoiren, untersucht, wie Angst gelebt wurde. "Gelebt"? Meine Analyse bewegt sich zwischen zwei Polen: Das eine Extrem wird z.B. durch die Literaturwissenschaft markiert, die die Gemachtheit der memoiristischen Quellen in den Vordergrund rückt - ihre gattungsspezifischen Eigenschaften, den zeitlichen Abstand zwischen Ereignis und Niederschrift usw. Das andere Extrem z.B. durch die post-poststrukturalistische Geschichtswissenschaft, die körperliche Aspekte des Erfahrungsbegriffs zu reaktivieren sucht, und für die Angst als Phänomen so basal, vordiskursiv und universell ist, dass es sich künstlerischer Rahmung weitgehend entzieht - und somit in direkterer, nicht-mediatisierter Form zugänglich wird. Für Letztere fallen gattungsspezifische etc. Eigenlogiken kaum ins Gewicht. Welchem Pol stehe ich näher? Oder: Lasse ich die Binäropposition unberührt und unterteile das Kapitel in einen ersten Teil, der die Kunst-Dimension der Memoiren betont, und einen zweiten Teil, den ich nach Themen - bspw. Feuertaufe, Schlachtrufe, Gerüchte, Amulette und Aberglaube, Tapferkeitsorden - anordne, die in in verschiedenen Sprachen verfassten Memoiren unterschiedlicher örtlicher, zeitlicher usw. Provenienz wiederkehren?

Parallelprojekt: Die neuen Deutschen. Eine andere Nationalgeschichte

Gegenstand dieses Buchprojekts ist die Einwanderung nach Deutschland Ost/West nach 1945. Anders als die meisten migrationshistorischen Studien, die entweder sozial- oder rechtshistorisch ausgerichtet sind, handelt es sich hier um narrative Geschichtsschreibung, die sich an ein Lesepublikum ab 16 Jahren richtet und die Geschichte der zahlenmäßig wichtigsten Einwanderergruppen anhand repräsentativer Einzel- und Familienschicksale erzählt. Das Buch ist unerschrocken teleologisch konzipiert und zielt auf den positiv konnotierten Fluchtpunkt eines neuen Nationsverständnisses, das sich mit dem amerikanischen e pluribus unum umschreiben lässt und eine allen zugängliche Dachidentität des Deutschen bei gleichzeitiger Existenz von Partikularidentitäten vorsieht. Dadurch werden bspw. "Deutschtürken" durch "türkische Deutsche" abgelöst.

Parallelprojekt: Blurbs etc. Kleine Formen der großen Wissenschaft

Gegenstand dieses Buchprojekts sind die "kleinen" Gattungen des wissenschaftlichen Buchs: Titel, Widmung, Danksagung, Fußnoten, Autorenfotos und blurbs, sowie jene ums Buch herum: Autoren-Webseiten, die Präsenz von Autoren in sozialen Medien, Lesungen, Buchbesprechungen, Festschriften und Nachrufe. Wo liegen die Anfänge dieser Gattungen, wie wandelten sie sich im Laufe der Zeit? Auf welche auktorialen Differenzen - nach Status, Geschlecht, Ethnizität, religiöser Zugehörigkeit usw. - verweisen sie? Und wie sieht ihre mögliche Zukunft aus? Eine historisch-genealogische Perspektive, so die Ausgangsthese, eröffnet Blicke, die in andere Richtungen als, und hinaus über Gérard Genettes Paratexte (Orig. 1987) gehen.







Publikationen aus der Fellowbibliothek

Plamper, Jan ( Frankfurt am Main, 2019)
Das neue Wir : warum Migration dazugehört : eine andere Geschichte der Deutschen

Plamper, Jan ( Oxford, United Kingdom, 2015)
The history of emotions : an introduction Geschichte und Gefühl

Plamper, Jan ( 2013)
Vergangene Gefühle : Emotionen als historische Quellen

Plamper, Jan ( 2012)
AHR conversation : the historical study of emotions

Plamper, Jan ( München, 2012)
Geschichte und Gefühl : Grundlagen der Emotionsgeschichte

Plamper, Jan ( New Haven [u.a.], 2012)
The Stalin cult : a study in the alchemy of power The Yale-Hoover series on Stalin, Stalinism, and the Cold War

Plamper, Jan ( Pittsburgh, Pa., 2012)
Fear : across the disciplines

Plamper, Jan ( 2011)
Grusin Koba ili "otc narodov"? Kult Stalina skroz' zmupri etinc̆nosti

Plamper, Jan ( 2010)
Starch : soldaty i emocii v istorii voennoj psichologii nac̆ala XX veka

Plamper, Jan ( 2010)
Emocii v russkoy istorii




Lectures on Film 10.06.2015

Jan Plamper – Angst bei russischen Soldaten im frühen 20. Jahrhundert - Emotionsgeschichte endlich empirisch eingelöst?

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