2014/2015

Richard Bourke, Ph.D.

Professor in the History of Political Thought

Queen Mary University of London

Born in 1965 in London
Studied English, Philosophy and Classics at University College Dublin, the University of London, and the University of Cambridge


Arbeitsvorhaben

Democracy: Ancient and Modern

Ancient democracy was founded on a conception of equality of rule. The idea sought to depict a complex arrangement of institutions and offices that implied an equal aptitude for the business of government. Modern democracies are premised on a more dramatic division of labour facilitated by the practice of representation. In the process, equality of rule has been replaced by the commitment to equal political rights. Since the eighteenth century, these rights have been associated with a range of provisions, including popular sovereignty, the franchise and entitlement to office. Western historiography since the Second World War has commonly identified the acquisition of equal rights as a means of distinguishing the "modern" from the "early modern" period. I hope to show how this compartmentalization involves distortion and simplification. The project as a whole is concerned with the variety of ways of understanding equality in ancient and modern democracies. Recovering these divergent conceptions of equal citizenship can improve our grasp of the passage from ancient to modern politics, and hence of the principal characteristics of modern democratic thought.

Recommended Reading

Bourke, Richard. "Languages of Conflict and the Northern Ireland Troubles." Journal of Modern History 83, 3 (September 2011): 544-78.
-. "Theory and Practice: The Revolution in Political Judgement." In Political Judgement, edited by Richard Bourke and Raymond Geuss. Cambridge: Cambridge University Press, 2009.
-. "Enlightenment, Revolution and Democracy." Constellations 15, 1 (March 2008): 10-32.

Dienstagskolloquium , 30.06.2015

Die Erfindung der Demokratie

Zumindest in einem Punkt herrscht in den Sozialwissenschaften und der politischen Philosophie heute breite Übereinstimmung: Wenn wir das Wesen der modernen Demokratie verstehen wollen, müssen wir ihre Geschichte verstehen. Auf dem Weg zu einer Rekonstruktion ihrer Entwicklung gibt es jedoch einige beträchtliche Hindernisse. Die Demokratie wurde im antiken Athen "erfunden" und ist immer noch sehr lebendig. Seit 1945 kann sie mehr oder weniger globale Hegemonie für sich beanspruchen. Das erste Hindernis einer Geschichte der Demokratie liegt also in der Frage nach den Dimensionen einer solchen Geschichtsschreibung. Sowohl mit Blick auf ihr Alter als auch auf ihre Verbreitung könnte man Demokratie für einen Gegenstand halten, der viel zu diffus ist, um ihn historisch zu untersuchen. Überdies gibt es das Problem der Überlieferung: Es gibt keine einheitliche Tradition des demokratischen Denkens und keine kontinuierliche Geschichte demokratischer Institutionen. Einerseits vereinfacht dies die Frage nach ihrem Alter: Die Geschichte der Demokratie ist nicht so lang, wie sie zunächst erscheint. Nachdem sie mit dem Erstarken des makedonischen Reichs und später des römischen Reichs ausgestorben war, betrat sie erst wieder relativ spät die Bühne der europäischen Geschichte. Aber andererseits bringt diese partielle Lösung für das Problem ihres Alters neue Schwierigkeiten mit sich. Wenn die Demokratie eine so offenkundig diskontinuierliche Geschichte hat und sich der Gegenstand selbst zwischen seinem ersten Entstehen und seiner späteren Wiedergeburt gewandelt hat - wovon genau handelt dann eine Geschichte der Demokratie?

Anscheinend ist die Antwort auf diese Frage, dass die Geschichte der Demokratie eine Geschichte der "Neuerfindung" ist. Dennoch ist der Prozess der Neuerfindung an sich bereits ein komplizierter Forschungsgegenstand, der sich zeitlich von der Renaissance bis zum 17. und 18. Jahrhundert (und darüber hinaus) erstreckt. In meinem Vortrag möchte ich einen Schlüsselmoment in der historischen Rekonstruktion der antiken Demokratie betrachten, wie sie von einigen Aufklärungsphilosophen vorgenommen wurde, die ihrerseits für den ideologischen Stammbaum moderner politischen Ideen von Bedeutung waren: Montesquieu, Mably, Hume und Rousseau. Ihnen - wenn auch nicht ihnen allein - verdanken wir viele unserer modernen Vorstellungen von Freiheit, Zustimmung und Verantwortung. Trotzdem war ihnen allen auch eine gewisse Verachtung für die Errungenschaften des demokratischen Athens gemeinsam. Eine genaue Untersuchung ihrer Auffassung der Verdienste und Schwachstellen der Volksherrschaft trägt dazu bei, dass wir die konstituierenden Elemente des modernen demokratischen Staats besser verstehen. Sie alle schrieben am Vorabend eines Zeitraums, der oft als "Zeitalter der Revolutionen" dargestellt wird; damit bezieht man sich überwiegend auf die politischen Entwicklungen in Amerika und Frankreich im späten 18. Jahrhundert. Die Protagonisten dieser Ereignisse griffen oft auf die Volksherrschaft als Leitprinzip zurück. Wir könnten dies als Grundelement des modernen demokratischen Denkens und damit als Kernlehre verstehen, die die Bedeutung der Volksherrschaft erklärt. Indes erwies sich das Prinzip der Volkssouveränität zwischen 1789 und den 1830er Jahren als etwas, das mit recht unterschiedlichen Gesellschafts- und Regierungskonzeptionen vereinbar war. In einer dieser Konzeptionen z. B. befand sich die Gesellschaft in einem fundamentalen Spannungsverhältnis zu den verfügbaren Systemen einer verantwortungsvollen Regierung. Dies legt nahe, dass die moderne Demokratie nicht als eine fest umrissene "Idee" wiedergeboren wurde, sondern als Arena, in der die rivalisierenden Antworten auf die Probleme bei der Errichtung einer Volksherrschaft ausgefochten wurden.


Publikationen aus der Fellowbibliothek

Bourke, Richard ( 2018)
What is conservatism? : history, ideology and party

Bourke, Richard ( 2016)
War Edmund Burke ein Konservativer? : Notizen zum Begriff des Konservatismus

Bourke, Richard ( Cambridge, 2016)
Popular sovereignty in historical perspective

Bourke, Richard ( Princeton, 2016)
The Princeton history of modern Ireland History of modern Ireland

Bourke, Richard ( Princeton, 2015)
Empire & revolution : the political life of Edmund Burke Empire and revolution

Bourke, Richard ( 2012)
Party, parliament, and conquest in newly ascribed Burke manuscripts

Bourke, Richard ( London, 2012)
Peace in Ireland : the war of ideas Pimlico ; 858

Bourke, Richard ( 2011)
Language of conflict and the Northern Ireland troubles

Bourke, Richard ( 2010)
Pocock and the presuppositions of the new British history

Bourke, Richard ( 2009)
Theory and practice : the revolution in political judgement







Lectures on Film 03.12.2014

Edmund Burke and the Origins of Conservatism

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Workshop (Convener)29.04.2015

The Enlightenment and Its Legacies: European Political Thought, 1760-1840

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