2013/2014

Andrea Mennicken, Ph.D.

Associate Professor in Accounting

London School of Economics and Political Science

Born in 1973 in Aachen
Studied Sociology at the Universität Bielefeld and Accounting and Sociology at the London School of Economics and Political Science

Schwerpunkt

Quantifizierung

Arbeitsvorhaben

The Quantification of Decency

In its most general terms, this project is about the quantification of decency. It seeks to contribute to our understanding of the multifaceted relations formed between instruments of quantification, economy and morality, and the roles of rating, ranking and performance measurement in mediating between conflicting values and rationalities. The British prison service has been chosen as the principal research site, as it is here that conflicts between different organizational values and rationalities are particularly pronounced. Throughout the study, however, cross-national comparisons will be drawn, as well as comparisons between the prison service and other public services, such as health and social care, in order to identify general patterns and overarching dynamics. The project examines the Prison Service’s "decency agenda", emerging from 1999 onwards, against the background of processes of privatization, actuarialization and managerialization. It traces attempts to develop "quantitative measures of qualitative dimensions of prison life". It unpacks the different values and risks at stake and explores the interactions between different performance measures making up prison ratings, such as measures of decency and cost, operational effectiveness and security, prisoner safety and "individual transformation". The project seeks to contribute to the development of a more nuanced and differentiated understanding of the capacities and roles of the various calculative practices that populate the socio-economic domain. It seeks to enhance our understanding of the implication of instruments of quantification in shifting modes of power, regulating and governing. It seeks to offer insights into the inner workings of accountability regimes, their changing nature and the emergence of new regulatory spaces and practices. At a more general level, the project aims to add to our understanding of the relationship between economy and morality and the role of accounting instruments in its mediation.

Recommended Reading

Mennicken, Andrea. "'Too Big to Fail and too Big to Succeed': Accounting and Privatisation in the Prison Service of England and Wales." Financial Accountability and Management 29, 2 (2013): 206-226.
- "From Inspection to Auditing: Audit and Markets as Linked Ecologies." Accounting, Organizations and Society 35, 3 (2010): 334-359
- "Connecting Worlds: The Translation of International Auditing Standards into Post-Soviet Audit Practice." Accounting, Organizations and Society 33, 4/5 (2008): 384-414.

Dienstagskolloquium , 24.06.2014

Strafvollzug, Fürsorge und Kostenrechnung: Quantifizierung zwischen Wirtschaftlichkeit und Moral

Seit den späten 1980er Jahren hat der Prison Service (oberste Strafvollzugsbehörde) von England und Wales eine Reihe von Schritten unternommen, Gefängnisse in leistungsorientierte Wirtschaftseinheiten umzugestalten. Abgesehen von Privatisierungsprozessen spielen hierbei betriebswirtschaftliche Instrumente wie Kostenrechnung, Benchmarking und Leistungsmessung eine entscheidende Rolle. In meinem Vortrag möchte ich den Auswirkungen von betriebswirtschaftlichen Verfahren auf den Wandel von Gefängnissen von regelgeleiteten, bürokratischen Institutionen zu kalkulierenden, wirtschaftsorientierten Organisationen nachgehen. Dabei möchte ich nicht nur einen Beitrag zum Verständnis der wirtschaftlichen und betrieblichen Effekte leisten, sondern auch die komplexen Beziehungen zwischen Politik, Kalkulation und Moral ausleuchten.

Mein Vortrag wird Ihnen einen Einblick in die Entwicklung der Leistungsmessung in britischen Gefängnissen von 1992, als die ersten Leistungskennzahlen eingeführt wurden, bis 2014 geben. Ich untersuche deren Verknüpfung mit Prozessen der partiellen Privatisierung des Strafvollzugs in Großbritannien sowie deren Auswirkungen auf die Umgestaltung von Werten innerhalb des Strafvollzugs. Einerseits wurden im Prison Service von England und Wales formalisierte Leistungsmessungssysteme und marktorientierte betriebswirtschaftliche Verfahren (z.B. Benchmarking und Verfahren des sogenannten "market testing") eingeführt, um die Wirtschaftlichkeit der öffentlichen Gefängnisverwaltung voranzutreiben; damit wollte man die Aufmerksamkeit der Gefängnisleitung auf die Aufgabe des effizienten Kosten- und Prozessmanagements lenken. Die Reformen basierten auf einem Verantwortungsbegriff, der ein großes Vertrauen auf den Markt und die Methoden der Privatwirtschaft und ein geringes Vertrauen auf den öffentlichen Dienst und dessen Fachleute widerspiegelte. Auf der anderen Seite waren die Maßnahmen mit Versuchen verbunden, Wertepluralismus im Strafvollzug sicherzustellen. Neben wirtschaftlichen Kennzahlen, wie Tageshaftkosten und Kennzahlen zur Sicherheit der Anstalten, wurden Kennzahlen entwickelt, die Maßnahmen zur anständigen Behandlung und zur Wahrung der menschlichen Würde der Häftlinge erfassen und anregen sollten.

In meinem Vortrag stelle ich die Frage, inwieweit die Leistungsbemessung als Vermittlungsinstrument in einem Kontext herangezogen werden kann, in dem unterschiedliche, miteinander konkurrierende Werte auf dem Spiel stehen. In wieweit kann man sich auf die Betriebswirtschaft und deren Instrumente als Bindeglied berufen, das viele verschiedene Akteure und Bereiche miteinander verknüpft - auch unvereinbare Denkweisen, Werte und Ziele wie öffentliche Sicherheit, Vergeltung, Wirtschaftlichkeit, anständige Behandlung und menschliche Würde? Wenn die Objekte und Subjekte des Leistungsmanagements einmal durch betriebswirtschaftliche Verfahren standardisiert sind, verschafft man ihnen eine bestimmte Art von Sichtbarkeit und das schafft spezifische Interventionsmöglichkeiten, während andere Handlungsmöglichkeiten potenziell verdrängt werden. Leistungsmessungsinstrumente können leicht zu einer Verengung der Verantwortlichkeit führen und zur Verdrängung bestimmter Werte (z.B. Rehabilitation). Dennoch sollten wir das Potenzial von Leistungsmessungen für die Anregung von Debatten und Reformen nicht zu schnell abqualifizieren - nicht zuletzt wegen der öffentlichen Aufmerksamkeit und Kritik, die sie auf sich ziehen können. Die Instrumente der Betriebswirtschaft, und dazu gehören auch Systeme zur Bewertung von Gefängnissen und Leistungskennzahlen, haben sowohl einen inhärent administrativen wie auch politischen Charakter. In meiner Forschung möchte ich zur Offenlegung des komplexen Zusammenspiels von Quantifizierung und behördlicher Veränderung beitragen, indem ich die facettenreichen Modalitäten und Funktionsweisen von Leistungsmessung im Strafvollzug untersuche - vom Darstellungsinstrument mit vielen Schwachstellen über ein Lernmittel hin zur Munitionsmaschine - und die Bedingungen, unter denen sich diese verschiedenen Modalitäten entfalten.


Publikationen aus der Fellowbibliothek

Mennicken, Andrea ( Palo Alto, Calif., 2019)
What’s new with numbers? Sociological approaches to the study of quantification

Mennicken, Andrea ( 2015)
Accounting and the plasticity of valuation : Andrea Mennicken and Michael Power

Mennicken, Andrea ( 2014)
Accounting for values in prison privatization

Mennicken, Andrea ( Cheltenham [u.a.], 2014)
Configuring value conflicts in markets

Mennicken, Andrea ( 2013)
Auditing and corporate governance

Mennicken, Andrea ( 2013)
Too big to fail and too big to succeed: accounting and privatisation in the Prison Service of England and Wales

Mennicken, Andrea ( 2012)
Accounting, territorialization and power

Mennicken, Andrea ( 2010)
From inspection to auditing: audit and markets as linked ecologies

Mennicken, Andrea ( 2008)
Tracking the numbers : across accounting and finance, organizations and markets

Mennicken, Andrea ( 2008)
Connecting worlds : the translation of international auditing standards into post-Soviet audit practice