2013/2014

Wendy Espeland, Ph.D.

Professor of Sociology

Northwestern University, Evanston

Born in 1955 in St. Paul, Minnesota
Studied Sociology at the University of Chicago

Schwerpunkt

Quantifizierung

Arbeitsvorhaben

Commensurate Worlds: How We Do Things with Numbers

During my fellowship year I will work on my book, Commensurate Worlds: How We Do Things with Numbers, and several related articles that investigate quantification as a powerful social process. Commensuration involves processes of turning qualities into quantities that share a metric. It is a technology of integration that expresses difference as magnitude, as a matter of more-or-less rather than of kind, and that creates precise ordinal relationships among even the most disparate things.
Our world is saturated with commensuration. Prices seem natural and we routinely measure everything from the amount of television we watch to the distance between galaxies. We commensurate to demonstrate our objectivity, express values, simplify decisions, and make us rational. Commensuration makes a messy world seem easier to control. It bolsters our courage to act. Commensuration is so ordinary that we hardly notice how much social life it organizes, how much work it requires, or just how radical it is. My research recovers these features of commensuration through an analysis of four cases selected for their variation.
My first case investigates how commensuration creates new objects. The 1990 Clean Air Act introduced market-based approaches to regulation in the US by transforming air pollution from a harmful externality to a commodity traded on open markets. The new objects created - allowances to emit sulfur dioxide, a component of acid rain - required commensuration that was cognitive and technical. A second case examines how commensuration creates new kinds of people. Alfred Kinsey's measures of homosexual behavior encouraged some to understand homosexuals as a minority group and diffused "10 %" as a conventional, deeply politicized estimate of the proportion of homosexuals. My third case considers the emergence and spread of double-entry bookkeeping [DEB] in late 14th-century Europe. DEB was a stunning technical advance that helped form the conceptual infrastructure of modern capitalism. My final case addresses the aesthetic qualities of quantification in social science. Whether a graceful equation or a lovely graph, those who make and use numerical pictures want them to be elegant as well as accurate. Together these cases demonstrate number’s constitutive power: to create new objects, people, epistemic cultures, and artistic values.

Recommended Reading

Espeland, Wendy and Mitchell Stevens. "A Sociology of Quantification." European Journal of Sociology (Archives Européennes de Sociologie) 49, 3 (2009): 401-436.
Sauder, Michael and Wendy Espeland. "The Discipline of Rankings: Tight Coupling and Organizational Change." American Sociological Review 74, 1 (2009): 63-82.
Espeland, Wendy and Michael Sauder. "Rankings and Reactivity: How Public Measures Recreate Social Worlds." American Journal of Sociology, 113, 1 (2007): 1-40.

Dienstagskolloquium , 10.12.2013

Furcht vor dem Fall: Wie die Ranglisten der U.S. News die Ausbildung in Amerika und anderswo verändert haben

Kann Exzellenz gemessen werden? Was passiert, wenn wir es versuchen? Und wie konnte ein miserabler Maßstab, den eine miserable Zeitschrift geschaffen hat, so deutliche Auswirkungen auf die Ausbildung in den USA und auf der ganzen Welt haben?

Dies sind Fragen, die viele Gespräche unter Wissenschaftlern und Verwaltern auslösen. Dabei geht es natürlich nicht nur um die Ausbildung. Was und wie gemessen werden soll, ist auf vielen Gebieten, darunter Wissenschaft, Sozialwissenschaft und Management, ein drängendes, sogar grundlegendes Problem. Wir verwenden Maßstäbe, um einige der Werte und Ziele zu erreichen, die wir am meisten wertschätzen. Wir zählen Wählerstimmen, um Demokratie auszuüben, nutzen Abstimmungen, um die öffentliche Meinung zu kennen, erstellen Kosten-Nutzen-Analysen, um Effizienz zu beurteilen, und führen standardisierte Tests durch, um Fortschritte zu verfolgen oder Leistung nachzuweisen. Messungen vereinfachen Entscheidungen, fassen ungleiche Dinge und Völker zusammen und helfen uns, Muster zu entdecken.

Zahlen sind jedoch oft aufdringlicher und subversiver, als wir glauben. Messen kann eine kreative, radikale Tätigkeit sein, die ihre Zielsetzungen sprengt und ethische Forderungen stellt. Messen hängt von standardisierten Kategorien mit Grenzen ab, die sicher genug sind, um Beispiele für etwas voneinander zu unterscheiden. In großem Umfang durchgeführt, erfordert Messung Disziplin und Koordination und nimmt enorme Ressourcen in Anspruch. Es erfordert Können, Einfallsreichtum und Kompetenz, um glaubwürdige Zahlen zu erzeugen. Und wenn sie einmal erstellt sind, können Zahlen schwer zu kontrollieren sein. Zum Teil aufgrund ihrer Abstraktheit und ihrer Assoziationen mit Rationalität, wissenschaftlicher Expertise und Objektivität tauchen Zahlen dort auf, wo wir es nie beabsichtigten, und werden in einer Weise benutzt, wie wir es uns nie vorstellten. Insbesondere im Sozialleben kann der Akt des Messens die Objekte verändern, die er zu messen versucht, oder erzeugt sie sogar.

Mein Vortrag beruht auf der Arbeit, die ich zusammen mit Michael Sauder, einem Soziologen an der University of Iowa, durchgeführt habe. Er untersucht die Entstehung und Auswirkungen einer auf neue Weise machtvollen Art der Quantifizierung: der Hochschulrankings, die anfänglich für eine außeruniversitäre Zielgruppe erstellt wurden. Die von uns am intensivsten untersuchten Rankings sind diejenigen, die ab 1981 von U.S. News and World Reports, einem Nachrichtenmagazin, erstellt wurden. Diese Ranglisten wiederum brachten aufgrund ihrer Sichtbarkeit und ihres Erfolgs eine globale Branche hervor, die Universitäten, Programme und sogar einzelne Wissenschaftler klassifizierte. Am detailliertesten untersuchten wir amerikanische juristische Fakultäten. Wir fanden heraus, dass Ranglisten einen Domino-Effekt auf die Bildung haben, wobei viele dieser Auswirkungen unbeabsichtigt und umstritten sind. Ranglisten erzeugen Druck auf Verwalter und Fachbereiche, die Indikatoren zu maximieren, aus denen Ranglisten bestehen: durch eine veränderte Verteilung knapper Ressourcen; durch Umgestaltung der durch Ausbildung gewährten Gelegenheitsstrukturen, indem verändert wird, wie Zulassungs- und Einstellungsentscheidungen getroffen werden; durch Einschränkung des fachlichen Ermessens, indem die Bildungsaufgaben von Hochschulen und die Bedingungen für Verantwortung und Exzellenz festgelegt werden, und durch Verstärkung und Ausweitung der Logik der Märkte auf die Ausbildung, sodass Ausbildung als Investition verstanden wird, Studierende Kunden sind und Hochschulen Wettbewerber um Status und Finanzierung. Die Auswirkungen von Ranglisten variieren, je nach Bereich, Bildungssystem, spezieller Rangliste und Nation. Aber mit der Ausbreitung von Rankings nahmen auch die Vielfalt und Intensität ihrer Auswirkungen zu. Die Erklärung dieses Vorgangs ist nützlich, um die Autorität der Zahlen im Allgemeinen verstehen zu helfen.


Publikationen aus der Fellowbibliothek

Espeland, Wendy ( New York, 2016)
Engines of anxiety : academic rankings, reputation, and accountability

Espeland, Wendy ( 2008)
A sociology of quantification

Espeland, Wendy ( 2007)
Rankings and reactivity : how public measures recreate social worlds

Espeland, Wendy ( 2007)
Accountability, quantification, and law

Espeland, Wendy ( Chicago, 1998)
The struggle for water : politics, rationality, and identity in the American Southwest Language and legal discourse




Köpfe und Ideen 2014

Zwei mal drei macht vier, widewidewitt und drei macht neune ...

von Jürgen Kaube

Artikel lesen