2009/2010

Martin Puchner, Ph.D.

H. Gordon Garbedian Professor für Englische und Vergleichende Literaturwissenschaft

Columbia University, New York

Born in 1969 in Erlangen
Studied Philosophy, History, and Literature at the Universität Konstanz, Università di Bologna, UC Santa Barbara, UC Irvine and at Harvard University


Arbeitsvorhaben

Platons Schatten: Ein Essay über Theater und Philosophie

Most philosophy makes little mention of the theater except to denounce it as a place of illusion and moral decay. The theater has responded in kind and steered away from philosophy, driven by the truism that theater consists of actions, not ideas. I argue that despite this mutual evasion, the histories of philosophy and theater have been crucially intertwined.
The point of departure (and presiding genius) of this approach is Plato, who invented philosophy as a form of drama. Plato the dramatist provides me with a paradigm through which I develop an alternative to the standard Aristotelian view of theater and philosophy, and this alternative view has led to some extensive archival discoveries, including the unknown history of dramatic adaptations of Plato's dialogues, of which I found over a hundred, the most immediate proof of Plato's hitherto unrecognized influence on theater history. More importantly, this Platonic perspective on theater history facilitates new readings of the most canonical modern dramatists, including Oscar Wilde, Bernard Shaw, Luigi Pirandello, Bertolt Brecht and Tom Stoppard, whose theater of ideas turns out to be a direct heir to Plato's drama. Finally, I will explore the consequences of my approach for philosophy, the result being a dramatic history of philosophy according to which philosophers such as Kierkegaard, Nietzsche, Burke, Camus and Deleuze will be shown to have formulated their thought with constant reference to theater.

Recommended Reading

Puchner, Martin. Stage Fright: Modernism, Anti-Theatricality, and Drama. Baltimore: Johns Hopkins University Press, 2002.
__. Poetry of the Revolution: Marx, Manifestos, and the Avant-Gardes. Princeton: Princeton University Press, 2006.
__. "Kenneth Burke: Theater, Philosophy, and the Limits of Performance." In Staging Philosophy, edited by David Krasner and David Saltz. Ann Arbor: University of Michigan Press, 2006.

Dienstagskolloquium , 17.11.2009

Das Drama der Ideen

Größtenteils hat die Philosophie das Theater abgelehnt und es als einen Ort der Illusion oder des moralischen Verfalls verurteilt. Doch auch das Theater hat seinerseits die Philosophie zurückgewiesen, denn im Theater geht es um Handlungen und nicht um Ideen. In meinem Projekt versuche ich, diese wechselseitige Ablehnung durch den Vorschlag zu umgehen, dass die Geschichte der Philosophie und des Theaters wesentlich mit einander verknüpft sind.

Dieser Ansatz geht auf Platon zurück. "The Drama of Ideas" zeigt Platon nicht nur als Theoretiker des Dramas, sondern auch selbst als Dramatiker; seine Dialoge basieren auf einer Dramaturgie, die sich von der üblichen aristotelischen Auffassung des Theaters deutlich unterscheidet. Platon als Dramatiker: aufgrund dieser Erkenntnis entdeckte ich eine Menge dramatischer Bearbeitungen platonischer Dialoge, die der unmittelbarste Beweis für den bisher verkannten Einfluss Platons auf die Theatergeschichte sind. Doch noch wichtiger ist, dass diese platonische Sicht auf das Theater ein neues Verständnis der kanonischen Dramatiker der Moderne wie Oscar Wilde, Bernard Shaw, Luigi Pirandello, Bertolt Brecht und Tom Stoppard ermöglicht. Diese haben nicht nur versucht, das Drama mit einem neuen intellektuellen Anspruch und Status auszustatten, sondern sie erweisen sich als direkte Erben des philosophischen Dramas Platons, indem sie in diesem Prozess ein neues Drama der Ideen schaffen. Zusätzlich untersuche ich die Folgen dieses Ansatzes für die Philosophie. Das Ergebnis ist eine Geschichte der Philosophie als Theater; deren Schlüsselfiguren sind Kierkegaard, Nietzsche, Burke, Sartre, Camus und Deleuze. Diese Philosophen beziehen sich ständig auf das Theater, sie verwenden Ausdrücke und Begriffe aus dem Bereich des Theaters oder sogar Techniken des Dramas, um philosophisch zu schreiben.

"The Drama of Ideas" mobilisiert diese doppelte Geschichte des philosophischen Theaters und der theatralischen Philosophie, um unsere derzeitigen Denkgewohnheiten einer kritischen Überprüfung zu unterziehen. Ich stütze mich auf zeitgenössische platonische Philosophinnen und Philosophen wie Martha Nussbaum, Iris Murdoch und Alain Badiou und hoffe so, die Umrisse eines "dramatischen Platonismus" formulieren zu können. Dieser neue Platonismus will nicht zu einer idealistischen Theorie der Formen zurückkehren. Vielmehr geht es um eine Wiederbelebung Platons, damit wir mit unserem Denken über die herrschenden Philosophien des Körpers, des Materialismus und des kulturellen Relativismus hinaus gelangen können.


Publikationen aus der Fellowbibliothek

Puchner, Martin ( Oxford [u.a.], 2010)
The drama of ideas : platonic provocations in theater and philosophy

Puchner, Martin ( 2007)
Performing the open : actors, animals, philosophers

Puchner, Martin ( Freiburg im Breisgau, 2006)
Theaterfeinde : die anti-theatralischen Dramatiker der Moderne Stage fright <dt.>

Puchner, Martin ( Princeton, NJ [u.a.], 2006)
Poetry of the revolution : Marx, manifestos, and the avant-gardes Translation/transnation

Puchner, Martin ( Baltimore [u.a.], 2002)
Stage fright : modernism, anti-theatricality, and drama