© U. Osnabrück/ Uwe Lewandowski

2017/2018

Pascale Cancik , Dr. iur.

Professorin für Öffentliches Recht, Geschichte des europäischen öffentlichen Rechts und Verwaltungswissenschaften

University of Osnabrück

Geboren 1967 in Tübingen
Studium der Rechtswissenschaft an der Eberhard Karls Universität Tübingen und der Freien Universität Berlin


Project

Geschichte(n) der Bürokratiekritik

Seit 250 Jahren wird - scheinbar unabhängig von den erheblichen Veränderungen in Gesellschaft, Recht, Verfassung, Verwaltung - von und über "Bürokratie" gesprochen. Politik, Verwaltungen, Medien, Verbände und Wissenschaften tun es und manchmal auch die Bürger - populistisch, polemisch, kritisch, deskriptiv-analytisch. Der "Bürokratiemonster" sind viele, das vorerst letzte sitzt in Brüssel: Irgendwann in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird im Gefolge der Europäisierung auch die "EU-Bürokratie" zum Topos. "Entbürokratisierung" und "Bürokratieabbau" sollten Abhilfe verschaffen und werden neuerdings ihrerseits hinterfragt.
Die - scheinbare - Konstanz von "Bürokratie" als Beschreibung und "Bürokratie" als Kritik über lange Zeiträume ist bemerkenswert. Sie zu hinterfragen, mögliche Prägungen der - tatsächlich ja sehr heterogenen - Bürokratiekritiken zu erfassen, ihre Anlässe und darauf folgende Reaktionen genauer zu beschreiben, ist Ziel des Projekts. Ein Zentrum sollen die 1970er/1980er Jahre bilden. In dieser Zeit, so die These, kommt es zu einer entscheidenden Veränderung von Bürokratiekritik. Sie wird professionalisiert, wird zur Machtressource, zur staatspolitischen Notwendigkeit. Die damit einhergehende Institutionalisierung marginalisiert oder verdrängt andere Prägungen von Bürokratiekritik. Ein Vorgang, der andauert, und den man mit alten wie neuen Fragen zu seiner Bedeutung für Demokratie, Rechtsstaat und Parlamentarismus verbinden kann.
Eine Geschichte der Bürokratiekritik(en), welche die jüngere Zeitgeschichte mit einbezieht, kann aus ungewohnter Perspektive Aufschluss bieten über unsere Einbindung in Gesellschaft, Organisation, Staat; über jene weithin mit "Rationalisierung" und "Modernisierung" beschriebenen Entwicklungen, die relevant bleiben, ungeachtet der Beobachtung aller möglichen "Post"-Phänomene.

Lektüreempfehlung

Cancik, Pascale. "Zuviel Staat? Die Institutionalisierung der 'Bürokratie'-Kritik im 20. Jahrhundert." Der Staat 56 (2017): 1-38.
-. "Vom Widerspruch zum informalen Beschwerdemanagement - Siegt der 'Verhandlungsstaat' über den 'hoheitlichen Anordnungsstaat'" Die Verwaltung 4 (2010): 467-499.
-. Verwaltung und Öffentlichkeit in Preußen: Kommunikation durch Publikation und Beteiligungsverfahren im Recht der Reformzeit. Tübingen: Mohr Siebeck, 2007.

Tuesday Colloquium , 27.02.2018

The "Bureaucracy" of "Debureaucratization" - History(-ies) of Bureaucracy Criticism

Whenever something is called bureaucracy or bureaucratic in the public political arena, it is generally being criticized. Bureaucracy assertions serve to stigmatize and prove a need for change. The rhetoric and practice of debureaucratization, which has been conducted in Germany for 40 years, affirms this negative finding and stirs expectations that the problem can be resolved by the state through policy. Yet, what is this bureaucracy, what is bureaucratic, which - as practically all agree - supposedly must be slashed? What expectations does the associated promise of something being unbureaucratic awaken?

I will approach these present-day questions with the help of a historical analysis of the semantics of the term bureaucracy. The search leads - roughly - to three large and partially overlapping 'arenas of discourse:' political, scientific, and practical. I shall argue that a look at the history(-ies) of bureaucracy criticism, focused with the help of the word bureaucracy, hones our understanding of today’s discourse over debureaucratization and its risks - a German discourse that, in a completely different yet similar way, is taking place in many other states and supranational organizations.


Publications from the Fellows' Library

Cancik, Pascale ( 2017)
"Effektive Opposition" im Parlament - eine ausgefallene Debatte? Zeitschrift für Parlamentsfragen : ZParl

Cancik, Pascale ( 2017)
Zuviel Staat? : die Institutionalisierung der "Bürokratie"-Kritik im 20. Jahrhundert

Cancik, Pascale ( Dessau-Roßlau, 2015)
TUNE ULR Technisch wissenschaftliche Unterstützung bei der Novellierung der EU-Umgebungslärmrichtlinie (AP3) : Arbeitspaket 23: Geschwindigkeitsreduzierungen / von Eckhart Heinrichs, Jörg leben, Anne-Susan Hänisch, LK ARgus Gmbh, Berlin, Pascale Cancik Texte / Umweltbundesamt ; 33.2015

Cancik, Pascale ( Dessau-Roßlau, 2015)
TUNE ULR Technisch wissenschaftliche Unterstützung bei der Novellierung der EU-Umgebungslärmrichtlinie (AP3) : Arbeitspaket 3: Ruhige Gebiete / von Eckhart Heinrichs, Jörg leben, Anna Straubinger, LK ARgus Gmbh, Berlin, Pascale Cancik Texte / Umweltbundesamt ; 74.2015

Cancik, Pascale ( 2013)
Wahlrecht und Parlamentsrecht als Gelingensbedingungen repräsentativer Demokratie

Cancik, Pascale ( 2012)
Verwaltung, Raum, Verwaltungsraum - eine historische Annäherung

Cancik, Pascale ( 2011)
Fingierte Rechtsdurchsetzung? : zum (sukzessiven) Abschied von der Eröffnungskontrolle

Cancik, Pascale ( 2010)
Vom Charme formaler Anknüpfungen im Parlamentsrecht : zur Änderung des Auftrags eines Untersuchungsausschusses

Cancik, Pascale ( 2010)
Vom Widerspruch zum informalen Beschwerdemanagement : siegt der "Verhandlungsstaat" über den "hoheitlichen Anordnungsstaat"

Cancik, Pascale ( Tübingen, 2007)
Verwaltung und Öffentlichkeit in Preußen : Kommunikation durch Publikation und Beteiligungsverfahren im Recht der Reformzeit Jus publicum ; 171


Lectures on Film 03/14/18

Pascale Cancik
Die Bürokratie der Anderen: Muster der EU-Kritik

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Lecture02/06/18

Gespenster, Schimmel und der Nationale Normenkontrollrat

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Tuesday Colloquium - Work in Progress02/27/18

Die "Bürokratie" der "Entbürokratisierung" - Geschichte(n) der Bürokratiekritik

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Evening Colloquia03/14/18

Die Bürokratie der Anderen: Muster der EU-Kritik

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