Wissenschaftskolleg zu Berlin
Institute for Advanced Study
Wallotstraße 19
D-14193 Berlin
Telefon: +49 30 89001 0
Telefax: +49 30 89001 300
E-Mail: wiko@wiko-berlin.de

Das Wissenschaftskolleg ist im Grunewald gelegen, einem Villenviertel mit kleinen Seen und viel Grün, unweit des Kurfürstendamms und des westlichen Stadtzentrums.

Der Campus umfasst vier Gebäude:

Die Fellows wohnen mit ihren Familien in den 28 Wohnungen der Villa Walther (Koenigsallee 20), einem renovierten neoklassizistischen Gebäude, 500 Meter vom Hauptgebäude entfernt.

 

 

1. Hauptgebäude oder "Villa Linde" (Wallotstrasse 19)

Diese 1910 errichtete Villa dient dem Wissenschaftskolleg als Hauptgebäude, mit Empfangs-, Seminar- und Clubräumen sowie dem Restaurant. Auch Rektorat und Verwaltung sind hier untergebracht.
Nachdem die Dahlem-Konferenzen das Haus im Jahre 1982 verlassen hatten, um in eine eigene Geschäftsstelle umzuziehen, diente die Villa dem Wissenschaftskolleg als Hauptgebäude, mit dem Rektorat und der Verwaltung, einem grossen Konferenz- und Vortragsraum, dem Clubraum, dem Restaurant sowie Ein-Zimmer-Appartements für Fellows und Gäste im Dachgeschoss.

Im Jahre 1893 erwarb der Regierungsbaumeister Karl Franke das Grundstück vom Forstfiskus der Königlichen Regierung zu Potsdam. 1910 ging das noch unbebaute Grundstück in den Besitz von Erna Linde, geb. Tietz, Ehefrau des Staatsanwalts Dr. Franz Linde über. Im selben Jahr wurde der Regierungs-Baumeister Ludwig Otte mit der Errichtung einer Villa beauftragt. Die Familie Linde bewohnte diese Villa bis zum Jahr 1921. Über dem Haupteingang finden sich noch heute die in Stuck gesetzten Initialen von Franz und Erna Linde: ELF. Zusammen mit der Familie Linde wohnten zeitweise ein Gärtner, eine Bibliothekarin und ein Rittmeister a. D. in der Villa.

Villa und Gartenanlage wechselten nach 1921 mehrfach den Besitzer. Zunächst wurde der Kaufmann Carl Richter aus Danzig Eigentümer, dann von 1925 an der Kaufmann Karl Büchting. Dieser plante im Jahre 1935, die Villa abzureissen und an ihrer Stelle drei Miethäuser auf dem Grundstück zu errichten. Das Baugesuch wurde jedoch abgelehnt. Daraufhin verkaufte Büchting im März 1936 das Anwesen an den Reichsluftschutzbund Landesgruppe Gross-Berlin e.V. Dieser baute die Villa gründlich um und nutzte sie als seine Berliner Geschäftsstelle. Vor dem Haus wurde, wie aus den Akten hervorgeht, ein Aushangkasten "für amtliche Mitteilungen der NSDAP und des RLB" angebracht.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Villa von der Britischen Militärregierung requiriert und als Offiziers-Club mit Messe und Wohnheim genutzt. Mit Zustimmung der Besatzungsmacht übertrug man 1955 Grundstück und Villa dem Bundesluftschutzverband e.V. zu Köln (der Nachfolgeorganisation des RLB). Dieser vermietete seinerseits das Gebäude weiter an die Britische Militärregierung, die es bis in die Mitte der 70er Jahre als Offizierskasino nutzte. Im Garten wurde 1959 eine Garage mit 6 Einstellplätzen gebaut.

1978 ging die Villa in das Eigentum des Berliner Senats über, unter der Bedingung, dass sie renoviert und für nichtkommerzielle Zwecke genutzt würde. 1980/81 gewährte der Senator für Wissenschaft, Forschung und Kultur dem im selben Jahr gegründeten Wissenschaftskolleg zu Berlin sowie den Dahlem-Konferenzen e. V. ein unentgeltliches Nutzungsrecht der Villa, die dafür gründlich renoviert und teilweise umgebaut wurde. Für den Innenausbau zeichnete die Berliner Architektin Dorothea Haupt verantwortlich.

Zu einer Beschreibung der Gartenanlage dieses Grundstücks gelangen Sie hier.

 

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2. Weiße Villa (Koenigsallee 21/Wallotstrasse 22)

In diesem baugeschichtlich ältesten Gebäude des Wissenschaftskollegs sind neben Gästezimmern, die Bibliothek und die Dienste für Fellows untergebracht.
Durch eine Schenkung der Volkswagen-Stiftung konnte das Wissenschaftskolleg im Jahre 1982 ein weiteres Gebäude in der Wallotstrasse hinzugewinnen, die auf der gegenüberliegenden Strassenseite befindliche Villa Wallotstrasse 22 bzw. Koenigsallee 21 (auch "Weiße Villa" genannt).
Die Volkswagen-Stiftung hatte an der Gründung des Wissenschaftskollegs durch eine Anschubfinanzierung im Jahre 1981 wesentlichen Anteil gehabt. Zu ihrem 20-jährigen Jubiläum vermachte sie die Weisse Villa dem Wissenschaftskolleg (s. Plakette im Eingangsbereich). Die Schlüsselübergabe erfolgte am 18. Juni 1982 in Anwesenheit des Bundespräsidenten. Die Volkswagen-Stiftung machte die Schenkung der Villa davon abhängig, dass das Land Berlin das Grundstück in der Wallotstrasse 21 ('Neubau') mit eigenen Mitteln erwerben und bebauen sollte.

Die 'Weiße Villa' gehört zu den ältesten im Grunewald errichteten Privathäusern. 1898 hatte der Kaufmann Carl Poppele die Genehmigung zur Errichtung einer Villa erhalten. Die Remise mit Treibhaus und Garage folgte im Jahr 1911. Nach mehrmaligem Wechsel der Besitzer gelangte die Villa 1933 in den Besitz der Familie Mannheim, einer jüdischen Fabrikantenfamilie. 1939 wurde die Villa vermutlich zwangsenteignet und verkauft. Neuer Besitzer wurde der Verleger H. Wichmann. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Zuge der sog. 'Wiedergutmachung' Ida Lissauer geb. Landsberger (wohnhaft in Haifa/Israel), offenbar die Rechtsnachfolgerin der Familie Mannheim, als Eigentümerin eingesetzt. Diese verkaufte die Villa im Jahre 1956 an den Kaufmann Hans-Joachim Brauer. 1970 gelangte die Villa in den Besitz des Ingenieurs Günther Hans Kiss, der sie umbaute (u. a. wurde eine Stahlbetonspindeltreppe eingesetzt) und sie als Geschäftssitz seiner Firma 'Consulting Engineers – Planungs- und Konstruktionsbüro' nutzte.

1982 erwarb die Volkswagen-Stiftung die Villa und übereignete sie dem Wissenschaftskolleg .

 

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3. "Neubau" (Wallotstrasse 21)

Im Jahre 1986 wurde mit Mitteln des Landes Berlin auf dem noch freien Nachbargrundstück ein Neubau (Wallotstrasse 21) errichtet, mit 18 Büros sowie 3 Einzelappartements für Fellows. Architekt ist der Berliner Dipl.-Ing. Burckhardt Fischer. Bei dem vierstöckigen Bau handelt es sich um ein Beispiel moderner Architektur der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, die gegenüber dem Hauptgebäude einen Kontrapunkt setzt, mit der geschwungenen Linienführung der gläsernen Vorderfront, mit den hölzernen fensterrahmen und dem unverputzten grauen Sandstein. Im vierten Stock ist eine Hausmeisterwohnung untergebracht. Durch einen unterirdischen Gang ist der Neubau mit dem Hauptgebäude Wallotstr. 19 verbunden.

 

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4. Villa Jaffé (Wallotstrasse 10)

Seit 1995 hat das Wissenschaftskolleg drei Etagen in der Villa Jaffé, Wallotstrasse 10 angemietet. Hier gibt es Arbeitsräume und Appartements für die Fellows sowie Seminar- und Aufenthaltsräume.

Errichtet wurde die Villa in den Jahren 1901 - 1903 durch den Architekten Ewald Becher, der auch für das Nachbargebäude Wallotstrasse 12 verantwortlich zeichnet. Erster Eigentümer der Villa war Edgar Jaffé (1866-1921), Professor für Nationalökonomie an der Universität München, Begründer und - zusammen mit Max Weber und Werner Sombart - Mitherausgeber des "Archivs für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik". Jaffé wurde im Jahre 1918 für kurze Zeit Finanzminister der Bayrischen Regierung Eisner. Wie es scheint, haben Jaffé und seine Familie selber nie in diesem Gebäude gewohnt.

Im Jahr 1919 kaufte die Villa an Oskar Grün, der Besitzer eines Eisenhüttenwerks in Berlin-Schöneweide. Oskar Grün lebte in der Villa mit seiner Frau Franziska, der Tochter Emmy, deren Mann, dem Kaufmann Georg Braun und dem gemeinsamen Sohn Herbert Braun (1906-1982). Nach der Machtergreifung Hitlers sahen sich die Besitzer zur Vermietung von Räumen an Pensionsgäste gezwungen. Herbert Braun wurde wegen seiner politischen Betätigung zugunsten der SPD für ein halbes Jahr im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert. Nach seiner Freilassung im Jahre 1939 emigrierte er nach Schanghai, wohin seine Eltern ihm nachfolgten (sie starben dort 1943 bzw. 1945). Herbert Braun arbeitete in Schanghai als Speditionskaufmann, im Jahre 1948 siedelte er nach Tel Aviv, dann nach Eilat über.

Aufgrund der Nürnberger Rassengesetze wurde die Villa 1938/39 enteignet. Der von Hermann Göring geleitete Reichsbund 'Reichsjägerschaft' nutzte sie als Geschäftsstelle des 'Reichsjagdmuseums'.

In den Jahren 1945 - 1952 beherbergte die Villa u. a. eine kleine Knopffabrik. 1952 kehrte ihr Besitzer Herbert Braun aus Israel zurück. Aufgrund eines Beschlusses der Wiedergutmachungskammer des Landgerichts Berlin im Jahre 1952 wurde er auch wieder Eigentümer der Villa. Er wohnte dort bis 1966. Nach seinem Tode erbte seine Witwe Hilda Braun sie. In den Jahren 1955 bis 1995 wurde ein Teil der Villa als Pflegeheim genutzt, zunächst vom "Privathospital Grunewald", dann von zwei Altenpflegeheimen.

Im Jahr 1995 bezog Hilda Brauns Sohn Christoph Kopp zusammen mit seiner Familie das Dachgeschoss der Villa. Die übrigen Räume, verteilt auf drei Etagen, konnten mit Hilfe einer Spende der Berliner Klassenlotterie renoviert werden, um als Arbeits- und Aufenthaltsräume vom Wissenschaftskolleg genutzt zu werden. Die Eröffnung der neuen Räume fand - u. a. im Beisein des Berliner Senators für Wissenschaft, Forschung und Kultur - am 15. Dezember 1995 statt. Im Sprachgebrauch des Wissenschaftskollegs wird die Villa nach ihrem ersten Eigentümer "Villa Jaffé" genannt.

Das Haus wird vor allem von Fellows genutzt, die im Rahmen von thematischen Schwerpunktgruppen am Wissenschaftskolleg arbeiten. Auch die Geschäftstelle des "Arbeitskreises Moderne und Islam", seit 2007 "Europa im Nahen Osten – der Nahe Osten in Europa " (EUME), befindet sich hier.
In einer neueren architekturgeschichtlichen Beschreibung heisst es im Hinblick auf die beiden Gebäude Wallotstrasse 10 und 12:
"Sie zeichnen sich durch eine Monumentalität aus, die im zeitgleichen Landhaus- und Villenbau in der Regel noch nicht zu den stilprägenden Elementen gehörte. Dieser Eindruck entsteht zum einen durch die Vertikalorientierung der Baumassen, zu der die leichten Aufschüttungen und die extrem hohen Sockelgeschosse beitragen, zum anderen durch die starke Betonung einzelner Bauglieder. So bilden etwa die mächtigen korinthisierenden Säulen im Obergeschoss der Nummer 12 trotz des Fehlens der abschliessenden Kuppel ein für Bauten dieser Art ungewöhnlich dominantes Motiv. Diesem entspricht - allerdings ohne die gleiche Wuchtigkeit - der Rundgiebel bei der Nummer 10. Sein Tympanon schmückt ein von Greifen gehaltenes Wappen in flachem Sockelrelief." (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Berlin. Bezirk Wilmersdorf, Ortsteil Grunewald, hg. von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz Berlin, 2. Auflage, Berlin 1994, S.160 f.).

 

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5. Villa Walther (Koenigsallee 20)

In der Villa Walther, 500 Meter vom Hauptgebäude entfernt, stehen den Fellows des Wissenschaftskollegs und ihren Familien 28 Mietwohnungen zur Verfügung. Diese Villa wurde im Jahre 1912/13 errichtet, sie gilt als Beispiel für die spätwilhelminische Repräsentationsarchitektur im Bereich des privaten Villenbaus.
Nach einer vielfach kolportierten, bislang aber nicht belegten Überlieferung soll der Königliche Baurat Wilhelm Walther diese Villa im Auftrage eines wohlhabenden russischen Adligen errichtet haben. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges, als sein Auftraggeber die von Walther vorfinanzierten Leistungen nicht begleichen konnte, soll dieser in Konkurs geraten sein. Walther war zuvor mit mehreren grossen und lukrativen Bauaufträgen hervorgetreten (u. a. die Viktoria-Versicherung in Kreuzberg und den Bayernhof in der Potsdamer Strasse im Tiergarten). Er wollte offenkundig mit dem Gebäude in der Koenigsallee, das als "Einfamilienhaus" (so der baurechtliche Terminus jener Zeit) geplant war, potentiellen Bauherren gegenüber seine Visitenkarte vorweisen. Nur so erklärt sich das grosszügige Raumprogramm der Villa wie auch das Bildprogramm der Fassadendekorationen mit Reliefs, Schmuckformen und Giebelmosaiken sowie Zitaten aus dem Griechischen und Römischen Altertum. Der imperiale Zeitgeist des späten Wilhelminismus spiegelt sich in der Römischen Antike als wahlverwandtschaftlich erfasster Epoche.

Nach Walthers Konkurs wurde das Haus 1918 von einem Fabrikbesitzer erworben und als Wohnhaus mit Mietwohnungen genutzt. Im Jahre 1938 wurde das Gebäude vom Deutschen Reich - vertreten durch den Reichsminister der Finanzen - erworben. Ab 1939 war hier die "Reichsfinanzschule" untergebracht. Im 2. Weltkrieg zerstörte ein Bombentreffer bis zu 60% der Bausubstanz.
Nach dem Krieg wurde der erhaltene Gebäudeteil in mehrere Wohnungen aufgeteilt. Der Rechtsnachfolger im Eigentum, die Bundesrepublik Deutschland (vertreten durch die Oberfinanzdirektion Berlin) beabsichtigte seit Ende der 60er Jahre, das Restgebäude wegen seiner Unwirtschaftlichkeit abbrechen zu lassen und das Grundstück auf dem Immobilienmarkt zu veräussern. Dazu kam es allerdings nicht, weil Gesichtspunkte des Denkmalschutzes geltend gemacht wurden. Im Jahr 1980 erwarb das Land Berlin das Grundstück. Der noch erhaltene Rest des Gebäudes sollte wieder instand gesetzt, zugleich ein Ergänzungsbau in den Umrissen des ursprünglichen Gebäudes errichtet werden (verantwortlich dafür war der Kölner Architekt Gottfried Böhm). Das Grundstück wurde im Wege eines Erbbaurechtsvertrages von einem Bauträger (Grundag) erworben. Im Jahr 1988 wurde das Gebäude in seiner heutigen Gestalt fertiggestellt und zu einem erheblichen Teil dem Wissenschaftskolleg vermietet.

Ausführungen zum Bildprogramm des Gebäudes finden Sie hier.

Reinhart Meyer-Kalkus
Berlin, im Juni 2008

 

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